Dunkelhaarige Frau mit Sonnenbrille vor einer dunkelblauen Wand mit Smartphone in der Hand

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Marktlage aktuell

Donnerstag, 26.03.2026

DAX wankt vor Ultimatum – Anleger zählen die Stunden

Die Anleger zählen heute erneut die Stunden bis zum Ablauf des Ultimatums des US‑Präsidenten. Niemand kann derzeit mit Zuversicht sagen, wie gut die Verhandlungen laufen oder wie es um die Wahrscheinlichkeit eines Deals steht. Wo Unsicherheit herrscht, sind fallende Kurse an der Börse oft nicht weit.

 

Wochenendrisiko erneut vorhanden
Möglicherweise wird die US‑Regierung das Ultimatum noch einmal verlängern, um diplomatische Gespräche mit dem Iran am Wochenende zu ermöglichen. Seit Kriegsbeginn beobachten wir jedoch ein klares Muster im Verhalten der Anleger: Unter der Woche wird gekauft, an Freitagen und Montagen wird verkauft. Dieses Muster könnte sich erneut zeigen. Es ist erneut eher unwahrscheinlich, dass noch vor dem Wochenende größere Positionen aufgebaut werden.

 

Weniger Speicher für KI‑Ausbau?
Alphabet stellt eine neue Technologie namens Turboquant vor, die den Speicherbedarf im KI‑Betrieb um den Faktor sechs reduzieren könnte. Anleger interpretieren das als potenziell geringere Nachfrage nach Speicherchips – entsprechend geriet heute Morgen vor allem die südkoreanische Börse unter Druck. Am Ende könnte die höhere Effizienz beim Betrieb großer Sprachmodelle jedoch auch bedeuten, dass bei den Hyperscalern mehr Gewinn hängen bleibt und deshalb noch stärker investiert wird. Kurzfristig ist die Alphabet‑Meldung aber ein Dämpfer für die ohnehin zuletzt stark schwankenden Aktienkurse der Speicherchiphersteller.

Mittwoch, 25.03.2026

DAX: Hoffnung auf Waffenruhe verpufft an widersprüchlichen Signalen

Die Nachricht über die bloße Möglichkeit einer einmonatigen Feuerpause im Irankrieg müsste eigentlich zu einer deutlichen Kurserholung im DAX führen. Stattdessen überwiegt die Skepsis: Die Kurse reagieren nicht. Grund ist wohl die Widersprüchlichkeit der Signale. Das Pentagon fordert 200 Milliarden USD vom Kongress – eine Summe, die einen monatelangen Irankrieg finanzieren könnte. Zugleich wirft die Verlegung von US‑Bodentruppen in die Region Fragen auf. Stehen möglicherweise doch Pläne für eine Bodenoffensive im Raum? Die USA zeigen sich offen für eine diplomatische Lösung, bereiten sich gleichzeitig aber wohl auch darauf vor, dass das Ultimatum am Freitag ohne Entgegenkommen des Iran ablaufen wird.

 

Straße von Hormus ist der Schlüssel

Die Geduld der Anleger wird mit jedem weiteren Kriegstag mehr auf die Probe gestellt. Anleger interessieren sich weniger für diplomatische Signale als dafür, wie und wann die Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr befahrbar sein wird. Solange entsprechende Lösungen fehlen, verpufft die positive Wirkung diplomatischer Bemühungen auf dem Frankfurter Parkett. Die Skepsis überwiegt – viele Anleger verharren an der Seitenlinie und warten ab, bis die Passage durch die Straße von Hormus wieder gefahrlos möglich ist.

 

Dauerhafte Auswirkungen

Der Punkt, an dem der Markt noch daran glauben konnte, mit einem blauen Auge davonzukommen, rückt mit jedem Kriegstag weiter in die Ferne. Der Konflikt dauert bereits zu lange – eine baldige Rückkehr zum früheren Status quo ist schon jetzt kaum mehr realistisch. In den ersten beiden Kriegswochen wäre ein schnelles Kriegsende ohne größere wirtschaftliche Schäden vielleicht noch möglich gewesen. Mittlerweile sind Anleger vorsichtiger geworden. Sie sehen dauerhafte Folgen immer mehr als ihr Basisszenario an. Selbst bei einem baldigen Ende des Kriegs wird der Ölpreis kaum wieder auf 60 USD fallen. Selbst bei einem baldigen Ende werden sich die Inflationssorgen noch monatelang halten. Der Krieg dauert schon zu lange – und mit jedem Tag ohne Öffnung der Straße von Hormus verschlechtert sich die Lage weiter.

Dienstag, 24.03.2026

DAX rutscht wieder ab: Keine Bodenbildung in Sicht

Die Ereignisse im DAX in den letzten 24 Stunden zeigen deutlich, wohin die Reise geht, wenn die Straße von Hormus weiter geschlossen bleibt: Die Schwankungen in den DAX‑Kursen werden von Tag zu Tag weiter zunehmen. Die Börsen interessieren sich derzeit mehr für die Zahl der Schiffe, die die Straße von Hormus passieren, als für aufsehenerregende Sätze des US‑Präsidenten. Man mag an einen TACO‑Trade glauben oder nicht – aber solange der Iran nicht mitspielt, wird auch der US‑Präsident den Krieg mit all seinen Folgen für die Energiepreise und Weltwirtschaft nicht einseitig beenden können.

 

Hoffnung auf Diplomatie

Es ist unklar, wie weit die diplomatischen Kontakte der USA in die neuen Strukturen des iranischen Regimes reichen und ob überhaupt ernsthafte Gespräche stattfinden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist ebenfalls möglich, dass Saudi‑Arabien eine aktive Kriegspartei werden könnte. Ein Kriegseintritt Saudi‑Arabiens wäre eine weitere Eskalation des Irankriegs. Anleger suchen Hinweise auf einen Weg aus dem Krieg heraus – nicht auf weitere Signale für ein immer tieferes Hineingleiten in etwas, das wie eine Spirale der Eskalation wirkt.

 

DAX‑Bodenbildung weit entfernt

Was wir gestern gesehen haben, war eine technische Gegenreaktion. Eine Bodenbildung ist im DAX nur möglich, wenn die Volatilität abnimmt und der Ölpreis sinkt. Für eine Bodenbildung müssen sich die Kurse also beruhigen. Nach einer solchen Beruhigung sieht es im DAX derzeit noch nicht aus.

Montag, 23.03.2026

DAX im freien Fall

Der Irankrieg lässt sich mittlerweile für die Mehrzahl der Anleger auf eine einfache Gleichung herunterbrechen: Entweder die Straße von Hormus wird wieder passierbar, oder es gibt keinen Neueinstieg in Aktien. Je länger diese für die Weltwirtschaft so wichtige Meerenge blockiert bleibt, desto höher wird der Ölpreis steigen – und desto düsterer werden die Aussichten für die Gewinnentwicklung der meist zyklischen DAX Aktien. Festverzinsliche Anlagen ohne Kursrisiko sind derzeit Trumpf. Die Anleger sorgen sich mehr um den Erhalt ihres Kapitals, als darum, eine Rendite zu erwirtschaften. Die Nachfrage nach Absicherungen wächst, denn weitere Kursverluste sind nicht auszuschließen.


Kaum Hoffnung auf einen Deal

Trump setzt dem Iran ein Ultimatum. Bis zum Ablauf dieser Frist bleibt Zeit für Diplomatie – Anleger verbinden das mit einer sehr geringen, aber nicht völlig auszuschließenden Chance auf einen Deal in letzter Sekunde. Trumps Frist zur Öffnung der Meerenge läuft am frühen Dienstagmorgen deutscher Zeit aus. Bis dahin dürfte die Bereitschaft der Anleger zu neuen Aktienengagements äußerst gering bleiben.


Goldpreis fällt stark

Der Irankrieg hat mehrere Belastungsfaktoren geschaffen, die sich zu einem perfekten Sturm für Goldverkäufe entwickelt haben. Angesichts hoher Rüstungsausgaben sieht sich die polnische Regierung veranlasst, an der Unabhängigkeit der eigenen Zentralbank zu rütteln. Das wäre für sich genommen für viele Anleger ein Grund für den Goldkauf – doch ausgerechnet das, was sie fordert, ist es nicht: Die Zentralbank solle ihr Gold verkaufen. Weltweit zeigt sich: Der extreme Preisanstieg der vergangenen Monate weckt Begehrlichkeiten. Sollten Zentralbanken von Käufern zu Verkäufern werden, würde das die Marktdynamik grundlegend verändern. Wenn dann auch noch Zinsen und Dollar steigen, bleibt wenig Hoffnung auf eine baldige Wiederaufnahme des Aufwärtstrends. Insgesamt ist der Goldpreis von September bis Januar (+2.100 Dollar) schlicht zu steil gestiegen. Gold mag weiterhin ein sicherer Hafen sein – allerdings nur für jene, die genug Zeit und Nerven mitbringen, die laufende Bereinigung spekulativer Exzesse auszusitzen.

Freitag, 20.03.2026

DAX: Zwischen Erholungssuchen und schwindendem Vertrauen

Der DAX könnte sich heute etwas erholen. Vor einem weiteren unberechenbaren Kriegswochenende im Mittleren Osten dürfte die Risikobereitschaft der Anleger ziemlich begrenzt bleiben. Deutschland ist im Allgemeinen als Energieimporteur und der DAX im Speziellen als zyklischer Index besonders anfällig für die Folgen des Irankriegs – ohne dass es einzelne Zugpferde im Leitindex gäbe, die den Markt stabilisieren könnten. Nach fast drei Wochen des Konflikts im Mittleren Osten reift die Gewissheit, dass selbst ein schnelles Kriegsende keine direkte Rückkehr zum Status Quo bedeuten wird. Der Irankrieg wird um Monate nachwirken.

 

Bodenbildung im DAX zerstört

Der DAX hat gestern ein neues Tief ausgebildet und damit wurden die Stabilisierungsversuche der vergangenen zwei Wochen zunichtegemacht. Das neue Tief verzögert die Fähigkeit des Index, einen Boden auszubilden mindestens um drei bis vier weitere Wochen. Und das wäre nur der Best Case: Ein neues Tief ist erst einmal ein Signal für eine Trendfortsetzung nach unten. Nun benötigt der DAX einen Impuls nach oben als erste Zutat für eine Bodenbildung. Woher dieser aber kommen soll, ist bislang völlig unklar.

 

Anleger wechseln auf die Seitenlinie

Es gibt eine wachsende Zahl von Anlegern, die beginnen, von einem längeren Irankrieg auszugehen. Cash ist ebenfalls eine Position – und eine zunehmende Zahl von Marktteilnehmern scheint sich mit diesem Gedanken immer mehr anzufreunden. Parallel wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB im kommenden Monat die Zinsen anhebt. Auch in den USA könnte die Notenbank beginnen, den Boden für eine spätere Erhöhung zu bereiten, wenn der Arbeitsmarkt dort stabil bleibt. Die Aussicht auf höhere Zinsen schmälert die Risikobereitschaft für die Aktien- und erhöht die Attraktivität der Zinsanlage.

Donnerstag, 19.03.2026

DAX: Irankrieg erreicht neue Eskalationsstufe – DAX vor wichtiger Weichenstellung

Die Botschaft aus dem Minus von rund tausend Punkten im DAX seit gestern ist eindeutig: Der Irankrieg hat mit dem Angriff auf ein Gasfeld eine neue Eskalationsstufe erreicht. Jeder Angriff auf kritische Energieinfrastruktur nimmt dem Markt die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zu alten Produktionsniveaus, sollte der Krieg einmal enden. Unter 23.000 Punkten im DAX steht der Irankrieg vor einer neuen Einordnung. Unter 23.000 Punkten würden Anleger den Konflikt aus der Schublade des Vorübergehenden nehmen und ihn zu den wahrscheinlich dauerhafteren Konflikten legen – mit dramatischen Folgen für Inflationserwartungen, Ölpreis und Wirtschaftswachstum.

 

Zinsangst treibt Anleger um

Die Notenbanken werden in diesem Umfeld keine große Hilfe sein. Wie so oft in dynamischen Situationen verweist die US‑Notenbank darauf, zunächst mehr Zeit für die Bewertung der Lage zu benötigen. Bei der EZB dürfte das heute kaum anders klingen. Die Märkte sind da bereits einen Schritt weiter. Aus der gestrigen Sitzung der amerikanischen Notenbank ziehen Anleger die ernüchternde Schlussfolgerung, dass es in diesem Jahr keine weiteren Zinssenkungen mehr geben wird. Sämtliche Zinshoffnungen sind damit vom Tisch.

 

Angst vor Zinsanhebungen durch die EZB

Heute werden Anleger jede Silbe von Christine Lagardes Worten auf die Goldwaage legen – vor allem dort, wo sie über Inflation spricht. Im Gegensatz zu den USA, wo es lediglich um den Wegfall von Zinshoffnungen ging, droht in der Eurozone eine baldige Zinsanhebung – oder gleich mehrere, sollte der Irankrieg zu lange dauern. Die Dynamik der geopolitischen Entwicklungen erhöht das Risiko einer geldpolitischen Fehlentscheidung - etwa in Form einer zu frühen Zinsanhebung

Mittwoch, 18.03.2026

DAX stabilisiert sich: Irans Drohwirkung in der Straße von Hormus lässt nach

In der dritten Woche des Iran‑Krieges versucht sich der DAX ernsthaft an einer Stabilisierung. Die Hoffnungen der Anleger stützen sich darauf, dass sich der feste Griff des Iran um den globalen Energiemarkt Schritt für Schritt lockern wird. Weltweit wächst der politische Druck auf US‑Präsident Trump, die Straße von Hormus wieder passierbar zu machen. Zugleich verlagern Saudi‑Arabien und der Irak ihre Exporte. Sie nutzen Pipelines, um Öl zu sicheren Häfen zu bringen. Das ist eine große Sache für den Ölmarkt. Denn auch wenn dadurch nicht die gesamte Ölproduktion dieser Länder exportiert werden kann, verliert die iranische Blockade der Meerenge von Hormus dadurch ein Stück weit an Bedeutung.

 

Wie folgenschwer ist der Ölpreisanstieg?
An den Märkten, an denen die Zukunft gehandelt wird, ist man gedanklich bereits einen Schritt weiter. Dort wird darüber nachgedacht, was vom Ölpreisanstieg bleiben wird. Morgen und übermorgen äußern sich die Zentralbanken zu diesem Thema. Die Aussagen der Federal Reserve und der EZB werden Anlegern helfen, die Inflationsgefahren besser einzuordnen. Viele hoffen, dass die Lieferketten im Mittleren Osten wieder anspringen – wenn auch nicht vollständig. Die Inflationserwartungen sollen stabil bleiben. Niemand will eine neue Inflationswelle, nachdem die Auswirkungen der letzten noch gar nicht richtig verarbeitet worden ist.

 

Keine schnellen Lösungen
Auch mit zusätzlichen Pipelinekapazitäten bleibt die Lage fragil. Angriffe auf Raffinerien oder gesicherte Hinweise auf eine Verminung der Meerenge von Hormus könnten die Ölpreise erneut antreiben. Eine Rückkehr der Ölpreise auf das Vorkriegsniveau ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht. Mehr als 3.000 Schiffe stecken im Persischen Golf fest. Es fehlt an Abfertigung, an Liegeplätzen, teils auch an Treibstoff. Das Öl‑Chaos im Persischen Golf ist perfekt.

Selbst bei einer sofortigen Deeskalation würde es Wochen dauern, bis sich der Verkehr normalisiert. Der Markt kommt mit etwas erhöhten Ölpreisen für eine Zeit lang zurecht. Was aber niemand gebrauchen kann, ist das permanente Risiko hochnervöser Ölpreise, die bei entsprechender Nachrichtenlage blitzschnell auf 120 Dollar oder höher steigen können. Eine Beruhigung der Ölmärkte ist damit die erste und zugleich wichtigste Zutat für eine Stabilisierung der Aktienmärkte. Was wir gerade sehen, sind erste Anzeichen für eine solche Beruhigung und Stabilisierung.

Dienstag, 17.03.2026

DAX unter Druck: Ölpreissprung schürt neue Zinssorgen

Der Optimismus, der den DAX gestern steigen ließ, wird durch einen nächtlichen Ölpreisanstieg um 6 Prozent zunichtegemacht. Schnäppchenjäger mögen ein Auge auf den Markt geworfen haben, doch ein Einstieg bleibt angesichts der stark erhöhten Volatilität riskant. Kursgewinne können je nach geopolitischer Nachrichtenlage in Minutenschnelle wieder verloren sein. Ohne den Beweis, dass die Eskorte der Tanker durch die Straße von Hormus sicher gelingen kann, bleiben Kursgewinne auf Sand gebaut. Die hohe Volatilität wirkt weiter in beide Richtungen, ohne klare Tendenz. Hinzu kommt die Sorge, dass der Druck auf die EZB zu vorschnellen Zinsanhebungen als Reaktion auf steigende Ölpreise führen könnte.

 

Geldpolitik: Druck auf EZB wächst

Der Druck auf die EZB, die Zinsen zu erhöhen, wächst. Es gibt fundamentale Unterschiede zwischen dem aktuellen Konflikt und der Energiekrise des Jahres 2022. Es ist daher nicht wahrscheinlich, dass sich die EZB zu vorschnellen Handlungen hinreißen lässt. Die EZB kann den Druck jedoch nicht leugnen, und die Sitzung am Donnerstag wird sicherlich zu einem rhetorischen Drahtseilakt werden. Christine Lagarde wird wohl ihre Einschätzung, die Geldpolitik sei „gut positioniert“, gegen eine deutlich vorsichtigere Haltung austauschen. Mehr als diese verbale Anpassung ist nicht zu erwarten. Für Zinsanhebungen, wie sie gefordert werden, ist es noch viel zu früh.

 

Teures Öl: Kommt jetzt die Inflation?

Zweitrundeneffekte sind erst wahrscheinlich, wenn der Ölpreis mehrere Monate um oder über 100 Dollar notiert. Nach zwei Wochen des Konflikts kann davon keine Rede sein. Dennoch planen viele Unternehmen Preiserhöhungen. Wie schon 2022 versuchen wohl auch heute wieder viele Unternehmen, die Irankrise als Vorwand für Preisanhebungen zu nutzen, die sie ohnehin schon lange durchführen wollten. Das hat jedoch nicht zwingend mit Zweitrundeneffekten durch steigende Energiepreise zu tun.

 

US-Notenbank dürfte Pausenknopf drücken

Die amerikanische Notenbank wird wahrscheinlich geldpolitisch eine Pause einlegen und auch die Prognosen zum Zinspfad unverändert lassen, während sie gleichzeitig ein höheres Inflationsrisiko aus geopolitischen Entwicklungen betonen dürfte. Die Hürde für Zinsanhebungen liegt bei der Fed noch etwas höher als bei der EZB, da die Inflationserwartungen verankert bleiben und die USA als großer Ölproduzent ganz anders von steigenden Preisen betroffen sind. Daher sind die geldpolitischen Herausforderungen, denen sich EZB und Federal Reserve stellen müssen, nicht eins zu eins vergleichbar.

 

Montag, 16.03.2026

DAX behauptet sich – Weg aus dem Konflikt bleibt unklar

Es ist die erste von drei Kriegswochen, die für den DAX ohne deutliche Kursverluste beginnt. Die Börsen suchen aber lediglich nach Halt. Mehr nicht. Von Aufbruch oder Zuversicht ist nichts zu spüren. Die Anleger setzen auf Gespräche zwischen Washington und Teheran. Darauf, dass wieder Tanker durch die Straße von Hormus fahren. Es ist viel Erwartung - und wenig Gewissheit. Für eine nachhaltige Erholung der Kurse im DAX ist das wohl noch zu wenig.

 

DAX hält 23.000-Punkte-Marke

Es ist dennoch ein starkes Signal, dass der DAX nicht wieder unter das Tief der Vorwoche – also unter 23.000 Punkte – gefallen ist. Damit bleibt auch die Vorstellung bestehen, der Iran‑Krieg könne in absehbarer Zeit an Schärfe verlieren. Gleichzeitig wächst der Zweifel, ob Teheran den Druck, den die Kontrolle über Hormus erzeugt, rasch preisgeben wird. Anleger werden jetzt auf jedes Zeichen achten. Auf Hinweise, dass der Konflikt an Gewicht verliert. Oder darauf, ob sich die Spirale weiterdreht – hin zu gezielten Angriffen auf Tanker oder Infrastruktur, die für den Ölfluss zentral sind.

 

24.100 Punkte jetzt Bedingung für einen Boden

Während US‑Präsident Trump versucht, unbeteiligte Staaten für den Schutz der Straße von Hormus zu gewinnen, erklärt der Iran, Tanker mit Ziel in neutralen Ländern weiterhin passieren zu lassen. Das könnte die Bereitschaft vieler Staaten senken, sich einzubringen. Worte stehen gegen Worte. Das ist zwar weniger als Frieden, aber mehr als bloße Eskalation. Gespräche könnten den Märkten Zeit verschaffen, sich zu beruhigen. Erst in einem Umfeld nachlassender Schwankungen kann sich ein stabiler Boden bilden. Erst dann kehren größere Investoren zurück. Für den DAX bedeutet das: Ein Anstieg über 24.100 Punkte wäre ein technisches Signal für eine Bodenbildung – allerdings nur, wenn es nicht zuvor noch einmal zu neuen Tiefs kommt. Doch Anleger werden sich nicht alleinig von der Markttechnik wieder ins Risiko bewegen lassen. Dafür bedarf es Klarheit und einer echten Deeskalation. Bislang ist weder das eine noch das andere zu erkennen.

Freitag, 13.03.2026

DAX: Hormus‑Blockade treibt Ölpreis – Chipproduktion unter Druck

Der Iran‑Krieg dauert nun knapp zwei Wochen. Auf dem Frankfurter Parkett rücken seine wirtschaftlichen Folgen für Deutschland immer stärker in den Vordergrund. Es geht um Inflation, um Wachstum, um Bewertungen. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Ebenso wenig eine sichere Rückkehr des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus. Die globalen Lagerbestände bei Rohöl – die kommerziellen und auch die strategischen - schrumpfen rasch. Der Spielraum für weitere Belastungen wird so mit jedem Tag kleiner. Je länger die Meerenge blockiert bleibt, desto empfindlicher wird der Ölpreis reagieren. Bleibt die Straße von Hormus blockiert, wird der Tag kommen, an dem sich auch ein Anstieg über 120 Dollar nicht mehr aufhalten lässt. Der Markt verliert seine Puffer. In der Zuspitzung wird der Versuch kaum zu vermeiden sein, das aufgestaute Öl durch die Passage zu bewegen – auch dann, wenn dies unter dem Risiko eines iranischen Beschusses geschieht.

 

Minen oder nicht?

Die Wahrheit ist das erste Opfer des Krieges. Auch dieser Krieg macht keine Ausnahme. In der Straße von Hormus bleibt unklar, was geschieht: Werden Minen gelegt oder nicht? Die Antworten wechseln mit der Quelle. Anleger fischen im Trüben. Sicher ist nur dies: Öltanker stehen in Flammen. Und wieder beginnt ein Tag, an dem aus dem Persischen Golf nichts kommt – kein Öl, kein Flüssiggas, kein Helium, kein Dünger, keine der Waren, auf denen der gewohnte Lauf der Welt beruht. Es sieht danach aus, dass eine Passage durch die Straße von Hormus versucht werden wird – mit militärischer Hilfe, durch ein aktives Kriegsgebiet. Denn deutliche Signale der Deeskalation sucht man auch heute vergeblich.

 

Iran hat eine mächtige Waffe in der Hand

Die Folgen der Schließung der Straße von Hormus und die Tragweite des Hebels, den der Iran für die eng verzahnte Weltwirtschaft damit in der Hand hält, werden von Tag zu Tag deutlicher sichtbar. Ein Beispiel ist Helium. Katar kann es nicht mehr liefern. Der Staat steht sonst für gut 40% der weltweiten Versorgung. Helium wird unter anderem in Taiwan oder Südkorea benötigt, wo Lithografiemaschinen bei der Herstellung hochmoderner Computerchips damit gekühlt werden müssen. Ein Substitut für Helium existiert nicht. Man geht von einer Reichweite der Lagerbestände von rund drei Monaten aus. Nordamerika, das fast die Hälfte der Weltproduktion stellt, könnte für die Versorgung mit Helium in die Bresche springen. Die Region benötigt das Edelgas jedoch selbst. Die Folge eines Ausfalls von Helium wäre dramatisch: Die Chipproduktion müsste heruntergefahren werden, die Preise würden steigen, und der milliardenschwere Ausbau von KI-Rechenzentren könnte durch diesen Engpass nicht mehr in der geplanten Geschwindigkeit fortgeführt werden.

 

Taiwan und die Produktion von Strom aus Gas
Taiwan hat – wie Deutschland – alle Atomkraftwerke abgeschaltet. Nun setzt man bei der Grundlast in der Stromerzeugung auf Gaskraftwerke. Taiwan hat sich dabei auch auf vertraglich vereinbarte Lieferungen aus Katar verlassen, die nun entfallen. Taiwan muss sich also am Spotmarkt eindecken, ähnlich wie Europa oder andere asiatische Länder. Das wird nicht nur zu höheren Preisen führen. Es kann auch dazu führen, dass Lieferungen erst verzögert eintreffen. Für ein Land wie Taiwan, das lediglich LNG‑Lager für zehn oder elf Tage vorhält, ist das ein Problem. Taiwan ist die Heimat eines der bedeutendsten Chipproduzenten der Erde: TSMC. Schon dann, wenn Taiwan zum Einsparen von LNG seine Gaskraftwerke etwas herunterfährt, entsteht ein weiteres Problem. Der Risikopuffer des Stromnetzes würde auf ein kritisches Niveau sinken. Dadurch kann es zu Spannungsschwankungen oder sogar zu Stromausfällen kommen. TSMCs Lithografiemaschinen reagieren bereits auf Spannungsschwankungen im Millisekundenbereich mit einer Abschaltung. Daraus können schnell Schäden in Millionenhöhe entstehen. Aufgrund der weltwirtschaftlichen Verflechtungen schadet ein langer Irankrieg also nicht nur den Schwellen- und Entwicklungsländern, sondern auch den entwickelten Volkswirtschaften, deren Lieferketten bald empfindlich gestört werden könnten.

Donnerstag, 12.03.2026

DAX zwischen Hoffen und Bangen – Geldpolitik hilft nicht

Zwischen Wochentief und Wochenhoch im DAX liegen gut 1.400 Punkte, und der Kurs hat sich ungefähr in der Mitte dieser Spanne eingefunden. Zwischen der Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende und einer weiteren Eskalation nehmen die Anleger damit eine neutrale Haltung ein und messen beiden Szenarien in etwa die gleiche Wahrscheinlichkeit bei. Solange die Marke von 23.000 Punkten im DAX hält, ist die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Konflikts nicht aus dem Markt verschwunden. Die Anleger wollen an ein Konfliktende glauben. Der Iran terrorisiert jedoch weiterhin die Anrainerstaaten des Persischen Golfs und deren Ölinfrastruktur – und stellt damit die Geduld der Anleger Tag für Tag aufs Neue auf die Probe.

 

IEA-Freigabe: Nur dämpfende Wirkung

Die Wirkung der Freigabe strategischer Reserven ist nicht ganz verpufft. Das zusätzliche Ölangebot dürfte helfen, den Ölpreisanstieg zu verlangsamen, kann ihn jedoch nicht umzukehren. Der Iran hat es mit vergleichsweise begrenzten Mitteln geschafft, den für die Weltwirtschaft so wichtigen Seetransport durch die Straße von Hormus den mittlerweile zwölften Tag in Folge lahmzulegen. Zwei brennende Tanker vor der Küste Iraks und die Evakuierung des Ölhafens im Oman demonstrieren Irans unveränderte Bereitschaft, Öl als Waffe einzusetzen. Solange der Iran die Straße von Hormus kontrolliert, werden sich die Finanzmärkte nicht nachhaltig beruhigen.

 

Inflationserwartungen nehmen zu

In Europa, wo die EZB bereits vor dem Irankrieg mit einer Zinsanhebung liebäugelte, können sich Anleger nicht auf eine geldpolitische Unterstützung durch eine Zinssenkung verlassen. Das gilt vor allem deshalb, weil die Inflationserwartungen in Europa im Vergleich etwa zu den USA mehr als doppelt so stark zugenommen haben. Gestern wurden in den USA die vielleicht letzten mauen Inflationsdaten für eine lange Zeit gemeldet – der Irankrieg wird die Inflation in den kommenden Monaten nach oben treiben, und das wohl umso stärker, desto länger er anhält. Die Erwartungen für die Zahl der Zinsschritte der US-Notenbank haben sich im Zuge dessen bereits auf nur noch eine im Jahr 2026 halbiert und auch die könnte ausfallen, wenn der Irankrieg kein baldiges Ende findet.

Mittwoch, 11.03.2026

DAX mit technischer Erholung – IEA-Freigabe nur Lösung auf Zeit

Die Unterstützung bei rund 23.000 Punkten hat gehalten, und was wir im DAX nun sehen, ist eine technische Gegenreaktion nach oben. Leerverkäufer streichen Gewinne ein, andere kurzfristige Akteure versuchen sich auf der Long-Seite. Insgesamt ist damit aber noch kein Trend begründet, und eine belastbare Bodenbildung entsteht im besten Fall erst in ein bis zwei Wochen. Der Handel ist in höchstem Maße nervös und nachrichtengetrieben. Der Aufbau von Positionen von Rang ist erst bei einer Beruhigung der Volatilität zu erwarten.

 

IEA-Freigabe ist nur Lösung auf Zeit

Der Markt setzt nun fest darauf, dass der Irankrieg bald endet – und falls das nicht gelingt, dass zumindest das Öl aus dem Nahen Osten wieder fließt. Von der Wall Street bis zur Börsenstraße in Frankfurt führen die gedanklichen Wege der Anleger daher hauptsächlich durch eine Meerenge: die Straße von Hormus. Die Freigabe strategischer IEA-Reserven wäre eine rein symptomatische Behandlung einer Krise, die schnell zur größten des Ölmarktes der Geschichte werden könnte. Solange kein Tanker die Meerenge passiert, ist die Freigabe strategischer Reserven nur eine Lösung auf Zeit.

 

Sorgen um private Kreditmärkte

Sorgen vor größeren Problemen bei Softwarekonzernen infolge der KI‑Disruption könnten heute wieder ins Bewusstsein der Anleger rücken. Laut Financial Times soll J.P. Morgan Chase seine Kreditvergabe an Privatkreditfonds eingeschränkt und Kreditportfolios von Softwareunternehmen abgewertet haben. Das wäre brisant – denn die Angst vor KI‑bedingten Verwerfungen im Softwaresektor hat sich nie ganz gelegt.

 

Oracle liefert auf mehreren Ebenen

Der Bericht der Financial Times über J.P. Morgan könnte heute eigentlich starke Quartalszahlen von Oracle überschatten. Bei Oracle will man von Disruption durch KI nichts wissen. Eine SaaS‑Apokalypse gebe es vielleicht bei anderen, nicht aber bei ihnen, ließ Firmengründer Larry Ellison die Anleger gestern auf der Bilanzpressekonferenz wissen. Oracles Datenzentren-Ausbau ist von allen Hyperscalern am meisten schuldengetrieben und damit ist Oracle das Epizentrum der Angst vor folgenschweren Überinvestitionen. Nun steigt die Aktie nachbörslich. Just zu einer Zeit also, in der zunehmende Warnsignale von den privaten Kreditmärkten ausgehen, wagen sich Anleger wieder zurück in eher spekulative KI‑ und Techaktien. Dass dies trotz der unsicheren Marktlage geschieht, deutet darauf hin, dass die Anleger in Sachen Aktien noch nicht das Handtuch geworfen haben – inklusive der Bereitschaft zur Übernahme der entsprechenden Risiken.

Dienstag, 10.03.2026

DAX: Hoffnung auf Kriegsende drückt Ölpreis, Risiko bleibt

Die Ölpreise sind gestern fast genauso schnell wieder gefallen, wie sie zuvor gestiegen waren. Grund sind Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende nach einem CBS‑Interview von US‑Präsident Trump. Der Krieg sei „abgeschlossen“ und der Konflikt werde „sehr bald“ enden. Anleger lesen daraus einseitige Verhandlungsbereitschaft der USA und setzen auf die TACO‑Logik in Trumps Politik: Der US‑Präsident hält den Druck in politischen Entscheidungen immer nur so lange aufrecht, wie es nicht zu allzu starken negativen Ausschlägen an den Märkten kommt. Dieser Zeitpunkt war mit dem Anstieg des Ölpreises auf fast 120 Dollar gestern offenbar erreicht.

 

Gefahr ist nicht gebannt

Die Gefahr für die Börsen ist nicht gebannt. US‑Präsident Trump mag den Krieg einseitig für nahezu beendet erklären, doch die Frage bleibt, ob der Iran derselben Meinung ist. Vor allem muss nun der Beweis erbracht werden, dass die Straße von Hormus wieder sicher für die Passage von Dutzenden Tankern ist, die Öl und Gas in die Welt exportieren wollen. Der Ölpreis ist derzeit der sprichwörtliche Schwanz, der mit dem Hund wedelt. Aktien reagieren auf kleinste Preisveränderungen. Mit jedem Tanker, der nun die Straße von Hormus erfolgreich passiert, dürfte allerdings die Risikoprämie im Ölpreis sinken. Anleger warten nun auf den Beweis für Trumps Interview‑Aussagen. Bleibt dieser aus, dürfte die Nervosität schnell wieder zunehmen.

 

Die Suche nach dem Weg heraus

Sobald sich erste glaubwürdige Signale für Verhandlungen zeigen, könnten sich die Kurse weiter erholen. US‑Präsident Trump will als Friedenspräsident gelten, muss die Inflation besiegen und die Benzinpreise senken – andernfalls könnten die Republikaner die Zwischenwahlen im November verlieren. Ein endloser Irankrieg steht all diesen Zielen diametral entgegen. Er kann daher kein Interesse an einem dauerhaften Konflikt haben. Nun wartet jeder auf glaubwürdige Nachrichten, die auf Verhandlungsbereitschaft auf beiden Seiten hindeuten. Konflikte, die mit Trump begonnen haben, endeten bislang mit einem Deal. Anleger hoffen, dass der Irankrieg keine Ausnahme von dieser Regel darstellt. Mit jedem Tag ohne Deal und hohen Ölpreisen wächst aber das Risiko für Stagflation - hohe Ölpreise auf lange Zeit zerstören das Wachstum, Konsum und Investitionen werden abgeschwächt und die Inflation steigt.

Montag, 09.03.2026

DAX mit Salami-Korrektur – wachsendes Rezessionsrisiko

Je länger der Ölpreis über 100 Dollar notiert, desto größer ist das Inflationsrisiko, desto stärker nimmt die Rezessionsgefahr zu und desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer ausgedehnten Aktienkorrektur. Zu diesem Zeitpunkt ist nicht klar, wie der Konflikt enden wird, und das macht es den Aktienmärkten so schwer, sich zu erholen. Der DAX hat in gut einer Woche des Irankriegs rund 10 % korrigiert. Nun steht der Index an einer zentralen Unterstützung von etwa 23.000 Punkten. Hier wird sich die weitere Richtung entscheiden. Ein Durchrutschen unter 23.000 Punkte könnte weitere technische Verkäufe nach sich ziehen. Wir sehen eine Salami-Korrektur: Mit jedem Tag, an dem keine Besserung eintritt, geht es noch eine Stufe tiefer.

 

Wirkung der G7-Freigabe von Ölreserven

Die Energiemärkte befinden sich in einer Situation, in der sie sich in Windeseile von der Erwartung eines global überversorgten Marktes auf einen einstellen müssen, dessen Angebot durch eine zeitlich ausgedehnte Unterbrechung des Öltransports durch die Straße von Hormus zunehmend knapper werden könnte. Vor zwei Wochen wurde noch ein Abdriften des Preises auf unter 50 Dollar diskutiert, jetzt notiert der Ölpreis über 110 Dollar. Offenbar diskutieren die G7-Finanzminister nun über die Freigabe strategischer Ölreserven. Während dies kurzfristig helfen könnte, dem Ölpreisanstieg Einhalt zu gebieten, wird dadurch nichts zum Besseren gewendet, was die ursprüngliche Ursache der steigenden Preise betrifft – die De-facto-Schließung der Straße von Hormus.

 

Weitere Eskalation des Konflikts

Für die Börsen ist die Richtung entscheidend, in die sich der Konflikt entwickelt – und für die ohnehin nervösen Ölmärkte stellt der Angriff auf Ölinfrastruktur am Wochenende eine weitere Eskalation des Konflikts dar. Die Situation ist verworren – und wie so oft bei Konflikten im Nahen Osten in der Vergangenheit – wahrscheinlich auch nicht schnell vorüber. Anleger fangen an, sich auf einen Konflikt einzustellen, der länger dauern könnte – mit allen Folgen, die das für Inflation, Wachstum und Finanzmarktstabilität haben könnte.

Freitag, 06.03.2026

DAX – Missbehagen bleibt hoch, Wall Street koppelt sich ab

Dass der Ölpreis im Bereich des oberen Fünftels seiner Handelsspanne seit Wochenbeginn notiert und der DAX im unteren Fünftel, demonstriert ein hohes Maß an Missbehagen der Anleger mit der aktuellen Situation am Markt. Dass die USA Indien erlauben, für 30 Tage wieder russisches Öl zu kaufen, zeigt, wie verzweifelt die Welt auf der Suche nach Wegen ist, einen drohenden Versorgungsengpass zu lösen. Europa ist Nettoimporteur von Öl, und solange die Preise hoch bleiben oder weiter steigen, werden Anleger einen großen Bogen um europäische Aktien machen.

 

„Sell-America“-Trade findet abruptes Ende

Seit dem Start der US-Operation „Epische Wut“ hat die Rotation heraus aus US-Aktien ein jähes Ende gefunden. Der S&P 500 Index liegt in dieser Woche lediglich 0,5 % im Minus, der Nasdaq 100 sogar 0,7 % im Plus. Dass Anleger ihre Umschichtung heraus aus US-Aktien abrupt beenden, hat jedoch wohl mehr damit zu tun, dass die USA netto Öl exportieren, als damit, dass sich Anleger plötzlich wieder für ein dauerhaftes Übergewicht von US-Aktien in ihren Portfolios erwärmen könnten.

 

Goldpreis: Polen will Gold verkaufen

Nach wochenlang immensen Schwankungen des Goldpreises wird die Frage lauter, ob Gold noch ein sicherer Hafen ist. Dass der Goldpreis im unteren Drittel der Handelsspanne einer Woche notiert, in der in vielerlei Hinsicht Unvorstellbares geschah, unterstreicht diese wachsenden Zweifel. Die Zentralbanknachfrage war jahrelang der treibende Faktor hinter immer weiter steigenden Goldpreisen, wobei die Zentralbank eines Landes ganz vorne mitspielte: Polen. Nun will Polens Regierung an die Goldschätze ihrer Zentralbank heran, um einen Kredit der EU für dringend notwendige Rüstungsausgaben zu umgehen. Es gibt immense rechtliche Hürden für dieses Vorhaben, denn Regierungen können nicht ohne Weiteres über die Vermögenswerte ihrer Zentralbank verfügen, um eigene Ausgabenpläne zu finanzieren. Dennoch könnten die Gedankenspiele Polens – des größten offiziellen Goldkäufers der letzten Jahre – am Goldmarkt für Irritationen sorgen.
 

Donnerstag, 05.03.2026

DAX – Dead Cat Bounce oder Wendepunkt nach oben?

Wir erleben im DAX eine Erholung, wie sie nach in kürzester Zeit eingetretenen heftigen Verlusten häufig zu beobachten ist. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig unklar, ob diese Erholung einen „Dead Cat Bounce“ innerhalb eines Bärenmarktes darstellt oder tatsächlich den Wendepunkt nach oben markiert, da die Unsicherheit durch den Irankrieg einfach zu groß ist. Die aus dem Irankrieg resultierende Schwankungsintensität der Kurse wirkt in beide Richtungen. Die Kursentwicklung wird auch heute auf dem Frankfurter Parkett stark nachrichtengetrieben und geopolitisch geprägt bleiben.

 

Börsen betrachten den Irankrieg durch die Energie-Brille

Dass Iran Öl als Waffe einsetzt, stellt eine tiefgreifende Zäsur dar, die zu einem weltweiten Börsenkrach geführt hat. Sollte es gelingen, Iran diese Waffe aus der Hand zu schlagen, wäre das ein Game Changer in diesem Krieg. Trumps Versprechen einer Militär­eskorte für Tankschiffe durch die Straße von Hormus könnte dazu beitragen, die zuletzt stark gestiegenen Energiepreise ein Stück weit von den Ereignissen im Irankrieg zu entkoppeln. Nun muss diese Operation nur noch gelingen.

 

Software-Aktien plötzlich wieder in Mode

Seit dem Start der US-Operation „Epische Wut“ stehen Software-Aktien plötzlich wieder auf der Kaufliste der Anleger. Der Sektor befand sich zuvor wegen der befürchteten Disruption etablierter Geschäftsmodelle durch fortschrittliche KI-Anwendungen in einem Ausverkauf. Was wir hier sehen, könnte der Beginn einer neuen Phase sein, in der Anleger vermehrt Fragen stellen – vor allem die, ob etablierte Softwarekonzerne durch KI wirklich so schnell wie befürchtet in die Bedeutungslosigkeit gedrängt werden können. Angetrieben werden die Käufe durch das Gerücht, Michael Burry habe Adobe-Aktien gekauft. Das fühlt sich seltsam an, denn erst vorgestern warnte Burry in einem Blogpost erneut vor einem Einbruch der weltweiten Aktienkurse wegen KI. Allerdings ist Burry ein antizyklischer Investor, der gerne dann kauft, wenn niemand mehr einsteigen will. Ob mit oder ohne Burry: Anleger scheinen dem zuletzt stark gefallenen Sektor eine Chance geben zu wollen.

Mittwoch, 04.03.2026

DAX bricht ein – neue Verkaufswelle rollt über Asiens Börsen

Fortgesetzte starke Kursverluste an Asiens Börsen lassen nichts Gutes für den heutigen Handel in Frankfurt vermuten. Jetzt ist ein Zustand erreicht, in dem Psychologie und Pessimismus den Handel bestimmen. Die schnellen Verluste ausgehend von Kursen nahe dem Rekordhoch im DAX haben eine Situation erzeugt, die eine Mehrzahl neuer Anleger blitzartig in Schieflage bringt. Die Nervosität ist entsprechend hoch. Der DAX ist kurzfristig zum sprichwörtlichen fallenden Messer geworden. Niemand kann sagen, ob die Verkaufswelle nicht auch noch einen dritten Tag anhalten und den DAX in Richtung 23.000 Punkte fallen lassen könnte.

 

Militär-Eskorte durch die Straße von Hormus?

Anleger suchen nach Hinweisen auf einen Weg aus dem Krieg heraus und nicht nach weiteren Signalen für ein immer tieferes Hineingleiten in etwas, das wie eine Spirale der Eskalationen aussieht. Die Ankündigung von US-Präsident Trump, Schiffe notfalls durch militärischen Begleitschutz durch die Straße von Hormus zu eskortieren, hat für den Moment den steil steigenden Preisen für Gas und Öl etwas den Wind aus den Segeln genommen. Vielleicht ist das ein Strohhalm, der den Märkten zu einer Beruhigung verhilft. Nichts ist Anlegern in den letzten 48 Stunden teurer geworden als die Suche nach Klarheit. Nachdem sich von Montag auf Dienstag die Erwartungen von einem nur vorübergehenden Konflikt zu einem längeren gewandelt haben, will nun niemand Hinweise darauf sehen, dass der Konflikt durch den Eintritt weiterer Kriegsparteien zu einem Flächenbrand eskaliert.

 

Die Suche nach dem Weg heraus

Sobald sich die ersten glaubwürdigen Signale für Verhandlungen zeigen, könnten die Kurse rapide nach oben drehen. US-Präsident Trump will als Friedenspräsident gelten, muss die Inflation besiegen und die Benzinpreise senken – andernfalls drohen die Republikaner die Zwischenwahlen zu verlieren. Ein endloser Irankrieg steht all diesen Zielen diametral entgegen. Trump kann nicht an einem endlosen Krieg interessiert sein. Jeder wartet nun auf glaubwürdige Nachrichten, die auf Verhandlungsbereitschaft auf beiden Seiten hindeuten. Konflikte, die mit Trump beginnen, enden letztlich mit einem Deal. Die Anleger hoffen, dass der Irankrieg keine Ausnahme von dieser Regel darstellt.

 

Angst vor einem Ölpreis über 100 Dollar

Selbst eigentlich gute Wirtschaftsdaten aus Asien werden an diesem Morgen von den Anlegern ignoriert. Schließlich stellen sie einen Blick in den ökonomischen Rückspiegel dar, während die aktuellen Ereignisse schwerer wiegen, da sie das Potenzial haben, das Wachstum der Weltwirtschaft im gesamten Jahr stark zu beeinflussen. Die entscheidende Frage ist, wie lange der Ölpreis noch auf erhöhtem Niveau verharren wird. Ein eskalierender Irankrieg, der länger andauert, könnte den Ölpreis über 100 Dollar steigen lassen, die Inflation anheizen, und das Rezessionsgespenst könnte als prägendes Thema auf dem Parkett Einzug halten. Das wiederum könnte zu einer signifikanten Korrektur an den weltweiten Aktienmärkten führen, die über das hinausgeht, was wir bislang gesehen haben.

Dienstag, 03.03.2026

DAX rutscht weiter ab – Angst vor Energiepreis-Schock

Die wachsende geopolitische Unsicherheit und die damit einhergehenden Sorgen über die Auswirkungen hoher Benzin- und Gaspreise auf Wachstum und Konsum lassen den DAX abrutschen. Das Mullah-Regime scheint die ganze Welt in den Konflikt hineinziehen zu wollen. Eine breitere Streuung des Portfolios mag geholfen haben, das eigene Vermögen gegen Verluste zu schützen, die aus der KI‑Angst entstanden sind. Gegen die Auswirkungen des Iran-Kriegs ist jedoch am Aktienmarkt kein Kraut gewachsen. Hier hilft nur noch der geordnete Rückzug aus Aktien insgesamt – und zwar ohne geografische Differenzierung. Ob asiatische, europäische oder amerikanische Titel: Das Risiko in Aktien wird pauschal und global reduziert. Der Irankrieg wirkt wie ein globaler Risiko‑Reset an den Finanzmärkten.

 

Gaspreise steigen stark an

Der Krieg im Iran erhält eine neue, wirtschaftlich brisante Dimension: Der europäische Gaspreis ist gestern in der Spitze um gut die Hälfte gestiegen. Dieser Anstieg, ausgelöst durch knappe Lager und den LNG‑Stopp Katars, weckt böse Erinnerungen an die Preissteigerungen des Jahres 2022. Zwar liegt der aktuelle Preisanstieg bei europäischem Gas – von rund 31 Euro in der Vorwoche auf etwa 44 Euro je Megawattstunde – noch deutlich unter den Extremwerten des Jahres 2022. Damals hatten sich die Preise von rund 80 auf über 300 Euro vervielfacht. Der Vergleich zu 2022 mahnt jedoch zur Vorsicht. Die nach Katars Lieferstopp verbleibende und noch verfügbare Menge an LNG wird knapper und damit steigt der Preis. Niemand will eine zweite Welle an Inflation, nachdem die Auswirkungen der ersten noch nicht ganz überwunden waren. Die Gefahr dafür hat aber zugenommen.

 

Knappe Gasspeicher erhöhen die Nervosität

Der Zeitpunkt der Angebotsstörung ist ungünstig, denn Europas Gasspeicher sind aktuell nur zu rund 30 Prozent gefüllt – etwa 16 Prozentpunkte weniger als im Durchschnitt. Damit fehlt ein entscheidender Puffer, um zusätzliche Belastungen abzufedern. Die Konsequenz: Die europäischen Gaspreise reagieren deutlich sensibler als etwa der Ölpreis, dessen weltweite Lagerbestände überdurchschnittlich gut gefüllt sind. Die dezimierten Gasspeicher müssen über den Sommer hinweg wieder aufgefüllt werden – unter deutlich schwierigeren Marktbedingungen. Die Anleihemärkte befürchten eine Übertragung der Krise, denn wie schon 2022 könnten auch diesmal europäische Regierungen gezwungen sein, mit Milliardenhilfen einzugreifen, um einen neuen Gaspreisschock für die angeschlagene Industrie abzufedern.

 

Geopolitik wird zur realwirtschaftlichen Gefahr

Finanzmärkte sind in der Regel geübt darin, geopolitische Ereignisse schnell zu verarbeiten. Das gilt jedoch nur, solange diese keine unmittelbaren ökonomischen Folgen nach sich ziehen. Genau hier liegt die Gefahr der aktuellen Eskalation. Geopolitische Konflikte übertragen sich häufig über die Rohstoffmärkte auf die Realwirtschaft – und die Voraussetzungen dafür sind derzeit gegeben. Entscheidend wird sein, wie lange der Konflikt anhält und ob er sich auf weitere Regionen ausdehnt. Eine längere Phase erhöhter Energiepreise würde Investitionen bremsen, die Inflation erneut anfachen und die fragile konjunkturelle Erholung in Europa gefährden.

Montag, 02.03.2026

DAX: Verkäufe ja, Panik nein

Der DAX startet trotz einer beispiellosen geopolitischen Eskalation in einer der wichtigsten ölproduzierenden Regionen der Erde ohne Panik in die neue Woche. Heute dürften es insbesondere Touristik- und Luftfahrtaktien sein, die unter Druck geraten. Die Eskalation im Iran bietet Aktien eigentlich eine Steilvorlage für eine scharfe Korrektur. Der Abverkauf verläuft jedoch diszipliniert. Das ist wohl die wichtigste Erkenntnis an diesem Montag. Wir sehen einen geordneten Handel: Es geht nach unten, aber von Panik kann keine Rede sein. Die Märkte scheinen in ihrem Basisszenario von einem zeitlich begrenzten Konflikt auszugehen.

 

Banger Blick auf die Straße von Hormus

Der Worst Case für den weltweiten Ölmarkt ist eingetreten: Der Iran nutzt Öl als Waffe und schließt die Straße von Hormus. Eine in diesen Fall oft befürchtete Explosion des Ölpreises bleibt bislang jedoch aus. Der Ölpreis ist weiterhin deutlich von der Marke von 100 US‑Dollar entfernt und kommt vom Tageshoch zurück. Volle Öllager und eine potenzielle Fördermengenerhöhung der OPEC+ helfen, die Angst vor einer Ölverknappung zu lindern. Die Ölmärkte sind so gut versorgt, dass sie einen zeitlich begrenzten Konflikt und sogar eine vorübergehende Schließung der Straße von Hormus verkraften können, ohne dass es zu Preisanstiegen in Richtung 100 US‑Dollar oder darüber kommen muss.

 

Vergleiche zu 2025

Während des zwölftägigen Kriegs zwischen Israel und dem Iran im Juni 2025 kam es zu vorübergehenden Preisspitzen bei Gold und Öl sowie zu überschaubaren Verlusten im DAX und bei internationalen Aktien. Die Reaktion des Marktes deckt sich bislang in weiten Teilen mit dieser Entwicklung. Sobald 2025 Nachrichten über einen möglichen Waffenstillstand zirkulierten, brachen der Öl- und der Goldpreis ein, während Aktien ihre Aufwärtsbewegung fortsetzen konnten. Entscheidend wird nun sein, ob dieses Vertrauen der Märkte in eine begrenzte Eskalation auch in den kommenden Tagen Bestand hat. Dann könnten bald schon wieder neue Käufer auf dem Parkett erscheinen.

Freitag, 27.02.2026

DAX wird zum Outperformer – neue Hiobsbotschaften aus dem KI-Sektor

Der DAX ist drauf und dran, die vierte Woche in Folge mit Kursgewinnen abzuschließen. Auf dem Frankfurter Parkett hat man sich zuletzt ein dickes Fell zugelegt gegenüber den Belastungen, unter denen vor allem die New Yorker Börse zu leiden hat. Investoren reagieren auf die Bedrohungen durch KI mit einer noch stärkeren weltweiten Streuung ihrer Investments. Anleger suchen gerade keine Abenteuer mehr. Sie wollen Planbarkeit und möglichst viel Sicherheit. Wachstum ist nicht mehr so wichtig. Der DAX mausert sich dabei zu einem Profiteur dieser Entwicklung.

 

Neue KI-Hiobsbotschaft: Anthropic beugt sich dem Kriegsministerium nicht

Anthropic, das Unternehmen, das zuletzt mit fortschrittlichen Funktionen seines Claude‑KI‑Modells für Aufsehen sorgte und damit die Angst vor einer Disruption von Software-as-a-Service-Anbietern schürte, befindet sich im Clinch mit dem amerikanischen Kriegsministerium. Das Ministerium fordert, Anthropic solle Sicherheitsschranken deaktivieren, die den Einsatz von Claude für die Entwicklung vollautomatisierter KI‑Waffensysteme oder zur Massenüberwachung von Amerikanern verhindern. Anthropic stellt sich quer. Das Ministerium droht nun, Anthropic als „Lieferkettenrisiko“ einzustufen – eine Kennzeichnung, die sonst US‑Gegnern vorbehalten ist und bislang noch nie auf ein amerikanisches Unternehmen angewandt wurde – und den Defense Production Act heranzuziehen, um die Aufhebung dieser Schutzmaßnahmen zu erzwingen.

 

Anthropic-Clinch drückt S&P‑500‑Futures ins Minus

Der Clinch Anthropics mit der Regierung schlägt den Anlegern in New York auf den Magen. Die Notierungen liegen im Minus. Der Konflikt könnte den in einigen Monaten geplanten Börsengang Anthropics gefährden und die ohnehin bereits angeschlagene Stimmung im KI‑Sektor weiter verschlechtern.

An der New Yorker Börse ist derzeit einfach der Wurm drin: Die nächste Zinssenkung ist noch Monate entfernt, die Finanzierung der Steuersenkungen ist nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs gegen reziproke Zölle fraglich, und selbst glänzende Nvidia‑Zahlen können die Anleger nicht mehr zufriedenstellen. An der New Yorker Börse wächst die Sehnsucht nach einem Befreiungsschlag, doch derzeit ist völlig offen, woher er kommen soll.

Donnerstag, 26.02.2026

DAX: Nvidias Top-Bilanz ist Segen und Fluch – Blogposts zählen mehr als Aussagen von CEOs

Der DAX kommt heute nicht ohne den Einfluss Nvidias aus, deren Börsenwert den aller deutscher Aktien um 46 % übersteigt. Die gute Nachricht: Nvidia legt eine Bilanz in Bestform vor und übertrifft die Erwartungen deutlich. Das ist auch gleichzeitig die schlechte Nachricht. Anleger sind nämlich hin- und hergerissen, was sie nun damit anfangen sollen. Längst sind Signale eines schnelleren KI-Ausbaus, wie sie Nvidia gestern lieferte, kein Grund mehr für Anleger, in Jubelarien zu verfallen. Sie kennen die Kehrseite der Medaille: die Disruption durch KI. Wenn der KI-Ausbau schneller verläuft als gedacht, ist auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass dies ebenso für die KI-Disruption gilt. Ausgerechnet hier gab es gestern durch Salesforce neuen Grund zur Sorge.

 

Echte Kursreaktion erst nach US-Eröffnung

Dass die Kursreaktion auf Nvidias Zahlen nachbörslich verhalten ausfällt, muss nichts heißen. Die echte Reaktion ist erst heute nach Börseneröffnung in New York zu erwarten. Dann wird sich zeigen, ob die teilweise durch fiktionale Blogposts gestreuten Ängste schwerer wiegen als echte Fundamentaldaten. Erst dann wird man sehen können, wie die großen Vermögensverwalter auf die Zahlen reagieren. Der monatelange Widerstand bei 200 US‑Dollar steht bei Nvidia im Zentrum der Aufmerksamkeit. Bricht diese magische Marke, sind leicht neue Rekordhochs auch im S&P‑500‑Index möglich.

 

Salesforce ist das Haar in der Suppe

Vielleicht waren die Anleger gestern so erpicht darauf, das sprichwörtliche Haar in der Suppe in der Nvidia‑Bilanz zu entdecken. Als sie dieses dort vergeblich suchten, musste eben Salesforce daran glauben. Salesforce steht als führender Softwareanbieter im Zentrum der Bedenken, durch fortschrittliche KI‑Anwendungen in die Bedeutungslosigkeit gedrängt zu werden. Dass Salesforce ein Rekordergebnis einfuhr, interessierte die Anleger kaum. Alles, was zählte, war der Ausblick, der den Anlegern zu verhalten ausfiel, um die Ängste vor einer Disruption durch KI zu zerstreuen. Dabei tat Salesforce alles, um diese Bedenken zu entkräften – inklusive der klaren Aussage, dass eine Disruption durch KI nicht feststellbar sei. In einer Zeit jedoch, in der Anleger fiktionalen Blogposts mehr Gehör schenken als den Aussagen der Unternehmen selbst, reicht selbst das offenbar nicht mehr aus.

Mittwoch, 25.02.2026

DAX schüttelt Trumps neue Zölle ab – es gibt wichtigere Themen

Wegen Trumps neuer Zölle ist der DAX nur kurzzeitig aus dem Tritt gekommen. In den vergangenen drei Wochen hat der Index Kursgewinne verzeichnet, und der dadurch aufgebaute Schwung hilft, die Kurse zu stützen. Die Anleger haben sich beim Thema Zölle inzwischen ein dickes Fell zugelegt. Es gibt wichtigere Dinge – zum Beispiel Nvidia und die Bewertungen von KI-Aktien –, mit denen sie sich befassen müssen.

 

Trumps Zollhammer funktioniert nicht mehr

Es sieht danach aus, dass die Rede von US-Präsident Trump zur Lage der Nation ohne neue Zolldrohungen auskam. Das ist nicht überraschend. Das Urteil des Obersten Gerichtshofs nimmt Trump ein zentrales Werkzeug seiner politischen Agenda aus der Hand: die Fähigkeit, permanente Zölle spontan aktivieren oder deaktivieren zu können. Anleger müssen sich seit Freitag nicht mehr vor spontanen Drohungen dystopischer Zölle fürchten. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass die weltweiten US-Zölle im Jahresverlauf Schritt für Schritt abnehmen werden.

 

Wichtiger als Zölle: Nvidias Quartalszahlen

Angesichts der hohen Erwartungen werden Anleger heute Abend in Nvidias Bilanz versuchen, das sprichwörtliche Haar in der Suppe zu finden. Heute Abend darf nichts schiefgehen, sonst könnte die Stimmung schnell kippen. Beim Thema KI wagen sich Anleger nur noch mit Scheuklappen aufs Parkett. Die zentrale Frage ist, ob das übertrieben ist. Im besten Fall könnten Nvidias Quartalszahlen zu einem Weckruf werden, dass mit dem Wachstum im KI-Sektor weiterhin alles stimmt. Im letzten halben Jahr ist das durchschnittliche Analystenkursziel für Nvidia von rund 190 US‑Dollar auf knapp über 260 US‑Dollar gestiegen, während der Aktienkurs bei etwa 190 US‑Dollar auf der Stelle trat. Das durchschnittliche Kursziel liegt damit rund 70 US‑Dollar über dem aktuellen Kurs – der größte Abstand, der jemals gemessen wurde. Relativ gesehen ist Nvidia also günstig bewertet. Die Diskrepanz ist Ausdruck von Angst – ob sie gerechtfertigt ist, werden die Zahlen heute Abend zeigen. 

Dienstag, 24.02.2026

DAX: Neue Zölle nur bei 10% – 25.000-Punkte-Marke wackelt

Der Anstieg des DAX über 25.000 Punkte wird durch die Zollunsicherheit auf die Probe gestellt. Zoll-, KI- und Kriegsangst samt negativer saisonaler Vorzeichen machen diese Zeit nicht zu einer, in der eine ungezügelte DAX-Rally sehr wahrscheinlich erscheint. Wenn der DAX seinen Schwung verliert und deutlich unter 25.000 Punkte rutscht, droht ein Rückfall in eine tiefere Handelsspanne, die den Kurs technisch erst wieder bei 24.400 Punkten auffangen könnte.


Das Chaos ist perfekt

Mit dem Urteil des Obersten Gerichtshofs ist die Unsicherheit durch Zölle wieder zum alles beherrschenden Thema an der Börse geworden. Nach einem wilden Hin und Her der reziproken Zölle im letzten Jahr und den Zolldrohungen im Zusammenhang mit Grönland sind Anleger dazu übergegangen, auf tatsächliche Veränderungen der Zölle zu reagieren, statt auf Drohungen des US‑Präsidenten in den sozialen Medien. Im Moment weiß niemand so recht, welche Zölle nun eigentlich gezahlt werden müssen und welche nicht. Das Chaos ist perfekt.


Zusatz-Zoll nun doch nur bei 10 %

Laut der amerikanischen Zoll- und Grenzschutzbehörde wird der neue Zoll nur bei 10 % liegen, was darauf hindeutet, dass es nicht zu den angedrohten 15 % des US‑Präsidenten kommen wird – zumindest noch nicht. Die Tatsache, dass der Zoll zunächst nur bei 10 % und nicht bei 15 % liegen wird, könnte zu einem verhaltenen Aufatmen auf dem Frankfurter Parkett beitragen.


USA in Zahlungsbilanzkrise?

Mit der Aktivierung der 10 %-Zölle aus Section 122 eines Handelsgesetzes aus dem Jahr 1974 attestiert der US‑Präsident den USA faktisch, dass sie sich in einer Zahlungsbilanzkrise befinden. Hierüber gibt es unterschiedliche Meinungen, denn grundsätzlich können die USA ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Ausland nachkommen. Die neuen Zölle stehen damit rechtlich auf zumindest fragwürdigem Boden. Am Ende sammelt die US‑Regierung hier erneut Zölle aus aller Welt ein, die sie möglicherweise später ohnehin wieder zurückzahlen muss.

Nvidias Zahlen: Es geht um das „Haar in der Suppe“Die Präsentation der Quartalszahlen von Nvidia am morgigen Mittwoch wirft bereits ihre Schatten voraus. Die Messlatte hängt hoch, die Nervosität der Anleger ist groß. KI‑Aktien aus den USA werden weiterhin verkauft – auch am gestrigen Tag. Zwar werden Hyperscaler wie Microsoft und Amazon deutlich mehr als gedacht in KI investieren. Eigentlich sollte sich daher in den Zahlen von Nvidia nichts finden, was auf eine Abschwächung der Investitionen hindeutet. Die Anleger werden jedoch trotzdem ganz genau hinsehen. Es geht sprichwörtlich um das Haar in der Suppe. Die Sorge, dass die Hyperscaler die KI‑Nachfrage überschätzt haben könnten, hält sich hartnäckig. Was niemand sehen will, sind nachlassende Aufträge für Nvidia‑Chips. Nvidia muss also erneut glänzende Zahlen abliefern, um die anhaltende KI‑Angst nicht weiter zu schüren.

Montag, 23.02.2026

DAX: Zollangst belastet – Suche nach Gewinnern ist gestartet

Neue Zollangst und ein drohender Angriff der USA auf den Iran belasten den DAX zu Wochenbeginn gleich doppelt. Die neue Zollangst hat bislang jedoch keinen allgemeinen Rückzug aus Aktien ausgelöst. Das zeigt, dass sich die Anleger bereits auf die Suche nach möglichen Gewinnern gemacht haben, die aus dem Urteil des Obersten Gerichts hervorgehen könnten.


Gewinner des Zollurteils

Internationale Aktien – darunter auch europäische – könnten zu den Gewinnern des Zollurteils zählen, da sich Anleger in ihrer bereits seit Monaten laufenden Abkehr von US-Aktien bestärkt sehen könnten. Schließlich muss der US‑Präsident nun erst beweisen, dass er seine politischen Vorhaben noch finanzieren kann, wenn ihm Einnahmen aus reziproken Zöllen fehlen und Zölle auf Basis alternativer Rechtsgrundlagen erst noch im Kongress durchgesetzt werden müssen. Der festere Euro gegenüber dem US‑Dollar zu Wochenbeginn ist ein Hinweis darauf. Die US-Regierung könnte gezwungen sein, gut 130 Milliarden US-Dollar an bereits gezahlten reziproken Zöllen klagenden Unternehmen wieder zurückzuerstatten. Anleger erwärmen sich zu Wochenbeginn für den Euro, da sich die EU nun auch in einer stärkeren Verhandlungsposition gegenüber der US‑Regierung befindet. Zudem sehen wir zu Wochenbeginn eine neue Dynamik im Goldpreis, der von vielen Anlegern nach dem Absturz unter 5.000 US‑Dollar bereits angezählt worden war. Gold bleibt ein sicherer Hafen, auch wenn man mit deutlich höheren Schwankungen klarkommen muss.


Was sich jetzt ändert

US‑Präsident Trump kann nun keine permanenten Zölle mehr per Unterschrift aktivieren oder deaktivieren – damit verliert er die Rechtsgrundlage für ein zentrales Element seiner politischen Agenda. Für permanente Zölle benötigt er die Zustimmung des Kongresses, und hier kann er sich angesichts der Abweichler in den eigenen Reihen keiner Mehrheit mehr sicher sein. In der Handelspolitik könnte sich die US‑Regierung nun also Ländern gegenübersehen, die selbstbewusster in Verhandlungen gehen. Viele bereits verhandelte Zollabkommen stehen potenziell wieder zur Disposition – darunter auch das noch nicht ratifizierte Abkommen der EU mit den USA.

Freitag, 20.02.2026

DAX bleibt über 25.000 Punkten – Irankonflikt belastet

Die Bereitschaft zu sofortigen Gewinnmitnahmen nach einem einzigen starken Tag deutet auf eine hohe Beteiligung kurzfristiger Händler hin. Die Möglichkeit eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs der USA auf den Iran lässt eine ungezügelte Rally im DAX derzeit nicht zu. Der Anstieg des Ölpreises mahnt die Anleger, es mit dem Risiko vor dem Wochenende nicht zu übertreiben.

 

Irankonflikt belastet

Die Ölmärkte haben damit begonnen, ein wachsendes Risiko eines militärischen Konflikts zwischen den USA und dem Iran einzupreisen. Dabei steht weniger die tatsächliche iranische Ölproduktion als vielmehr die Möglichkeit einer Blockade der Straße von Hormus im Zentrum der Aufmerksamkeit. Durch die Meerenge werden täglich rund 20 Millionen Barrel Erdöl transportiert, das entspricht gut einem Fünftel des weltweiten Bedarfs. Sie ist außerdem der wichtigste Transportweg für LNG nach Europa. Die Risiken für das europäische LNG-Angebot kommen ausgerechnet zu einer Zeit, in der die Lagerfüllstände bereits niedrig sind. Niedrige Gasspeicher lassen kaum Spielraum für zusätzliche Belastungsproben. Die europäischen Gaspreise könnten daher empfindlicher reagieren als der Ölpreis, dessen weltweite Lager überdurchschnittlich gefüllt sind.

 

Hoffnung auf Inflationsrückgang

Heute werden in den USA richtungsweisende Inflationsdaten veröffentlicht. Nachdem starke Arbeitsmarktdaten für Januar die Zinshoffnungen zurückgedrängt haben, wäre ein Rückgang der zuletzt hartnäckig hohen Kerninflation wichtig, um die Hoffnungen auf zwei Zinssenkungen der US-Notenbank zu erhalten. Die Kerninflation ist seit Monaten zu hoch und verhindert innerhalb der US-Notenbank Mehrheiten, die sich für Zinssenkungen aussprechen. Eine weitere „Zwei vor dem Komma“ bei der Kerninflation würde wohl bereits genügen, um die Gemüter zu beruhigen.

Donnerstag, 19.02.2026

DAX sprengt den Deckel weg – Bewertungen nehmen zu

Der DAX sprengt den Deckel weg. Die 25.000 Punkte sind überschritten. Dass die Anleger wieder bei KI- und Techaktien zugreifen, lässt die Angst vor Überbewertungen verblassen. Immerhin gibt es bislang keinen Beweis für Umsatzausfälle durch KI, und solange dieser nicht erbracht ist, könnte der Markt an einer Wand des Zweifels nach oben klettern. Jetzt kommt es darauf an, dass der DAX nicht den Schwung verliert und die Dynamik auf der Oberseite beibehält. Andernfalls kann der Rutsch zurück in die alte Handelsspanne schnell erfolgen. 

 

Bewertungen im DAX steigen

Mit steigenden DAX-Kursen wachsen auch die Bewertungen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis im DAX liegt bei 19,6 und damit deutlich über dem historischen Durchschnitt von 15,6. Das gilt auch für das Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1,3, das rund zwei Drittel über dem historischen Schnitt notiert. Ein großer Teil der DAX-Aufschläge geht somit auf eine wachsende Zahlungsbereitschaft der Anleger zurück, woran Wachstumserwartungen geknüpft sind. Ob diese gerechtfertigt sind, wird erst die Zukunft zeigen.

 

Fed protokolliert robusten Arbeitsmarkt

Gestern wurde das Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung veröffentlicht. Die einzige echte Veränderung besteht darin, dass mehr Gouverneure mit der Entwicklung des Arbeitsmarktes zufrieden sind. Sie rechnen unverändert mit sinkenden Leitzinsen später im Jahr, allerdings nur, wenn die Inflation weiter abkühlt. Die Erwartungen an die morgigen PCE-Inflationsdaten werden durch das Fed-Protokoll zusätzlich angeheizt. Ein Wert mit einer Drei vor dem Komma bei der Kerninflation könnte schnell für neue Irritationen sorgen.

Mittwoch, 18.02.2026

DAX: Nervosität hält an – in beide Richtungen

Die Nervosität am Aktienmarkt bleibt in beide Richtungen hoch. Der DAX wagt bereits den siebten Versuch in vier Wochen, die Marke von 25.000 Punkten nach oben zu durchbrechen – nachdem es gestern Mittag noch nach einem Abverkauf ausgesehen hatte. Getrieben wird die Wende von der New Yorker Aktienbörse. Dort kam es aus heiterem Himmel zu einem Turnaround. Nun wird sich zeigen müssen, wie nachhaltig diese Bewegung tatsächlich ist. Die Erholung von gestern dürfte ohne Anschlusskäufe jedoch schnell wieder verpuffen. Der DAX spielt seit einigen Tagen Katz und Maus mit kurzfristigen Händlern, die abwechselnd auf der einen und dann auf der anderen Seite in eine Falle gelockt werden.

 

Hoffnung auf Klarheit in den Daten

Um 20 Uhr wird das Protokoll der letzten Sitzung der amerikanischen Notenbank veröffentlicht. Nachdem die EZB klargestellt hat, mit der aktuellen Geldpolitik zufrieden zu sein, haben sich die Zinshoffnungen der Anleger auf die amerikanische Notenbank verlagert. Starke Arbeitsmarktdaten haben diese Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen jedoch zerschlagen. Nun setzen die Anleger darauf, aus dem Sitzungsprotokoll mehr Klarheit über die Stimmungslage innerhalb der amerikanischen Notenbank zu gewinnen. Der Markt wirft beim Protokoll einen Blick in den Rückspiegel, um die Zukunft besser einschätzen zu können.

 

Rücktrittsgerüchte um EZB-Spitze

Es deutet sich an, dass nicht nur die amerikanische, sondern möglicherweise auch die Europäische Zentralbank bald eine neue Führung bekommen könnte. Im Gegensatz zu den USA steht der Eurozone jedoch eine Phase der Unsicherheit bevor, da ein Kandidat oder eine Kandidatin für die Nachfolge von Christine Lagarde bislang nicht feststeht. An den Börsen ist bislang kaum eine Reaktion auf die Nachricht eines möglichen frühzeitigen Rücktritts von Christine Lagarde zu erkennen. Anleger tun sich schwer, die Situation zu bewerten, da weder feststeht, ob sich die Rücktrittsgerüchte bestätigen, noch, ob eine Nachfolge Lagardes eher für eine lockere oder konservative Geldpolitik stehen würde. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es schlicht zu früh, um belastbare Aussagen treffen zu können. Entsprechend halten sich die Börsen zurück.

Dienstag, 17.02.2026

DAX wird Ziel von KI-Verkaufswelle – Saisonalität spricht für fallende Kurse

Die Erkenntnis wächst mit jeder Stunde, dass der Fehlausbruch über 25.000 Punkte im DAX nicht ohne Folgen bleiben wird. Ein Rutsch zur Unterkante der wochenalten Handelsspanne wird wahrscheinlicher. Dies würde ein weiteres Abwärtsrisiko von 400 bis 500 Punkten bedeuten. Nach dem Absturz von Silber, KI-Aktien und anderen zuvor gut laufenden Marktsegmenten suchen Anleger nach einem neuen, spannenden Markt – und werden nicht fündig. Einige scheinen daher wieder an die Seitenlinie zurückzukehren und verkaufen

 

Siemens-Absturz zieht den DAX nach unten

Der Absturz der Siemens-Aktie wiegt schwer auf der Anlegerstimmung. Eigentlich hätte man erwarten können, dass die Meldung starker Zahlen samt üppiger Aufträge für den Bau von KI-Datenzentren positiv aufgenommen wird. Statt zu kaufen, nehmen Anleger jedoch Gewinne mit. Die 15%-Korrektur hat viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. Sie befürchten, dass die guten Ergebnisse abreißen könnten, da Kunden künftig vermehrt Siemens-Software mit offenen Systemen fortschrittlicher KI-Anwendungen der Konkurrenz kombinieren könnten. Siemens ist damit das neueste prominente Ziel einer Verkaufswelle, die aufgrund befürchteter KI-Disruption immer größere Kreise zieht und vor nichts Halt zu machen scheint.

 

Saisonalität: Ampeln schalten auf Rot

Saisonal ist die zweite Februarhälfte im DAX schwach. Der durchschnittliche Verlauf der letzten 30 Jahre lässt sogar eine Fortsetzung der Schaukelbörse bis Anfang April erkennen, mit einer Zwischenrally in der ersten Märzhälfte. Ein ähnliches Bild ergibt sich für die großen Indizes an der New Yorker Aktienbörse. Selbst der zuletzt auf Rekordkurs befindliche Dow Jones Industrial Average könnte aus saisonalen Gesichtspunkten zunächst eine Pause einlegen.

 

Unsicherer geldpolitischer Ausblick

Eine Schaukelbörse würde auch zur Unsicherheit der Wirtschaftsdaten passen. Eigentlich geben die Inflationsdaten der US-Notenbank grünes Licht für Zinssenkungen, allerdings fielen die Arbeitsmarktdaten zuletzt zu stark aus. Viele Anleger fürchten, dass auch die PCE-Inflationsdaten und das Protokoll der letzten Sitzung der US-Notenbank keine wirkliche Klarheit in der Geldpolitik bringen werden. Die Geldpolitik fällt damit vorerst als echter Kurstreiber weg.

Montag, 16.02.2026

DAX: Der zündende Funke fehlt – KI-Angst erzeugt Volatilität

Der Handel auf dem Frankfurter Parkett wird sich heute ein wenig wie an einem Feiertag anfühlen, da Impulse aus der Berichtssaison oder von Konjunkturdaten fehlen und die Börsen in Südkorea, China und den USA geschlossen bleiben. Der zündende Funke für einen Anstieg über 25.000 Punkte wird am heutigen Handelstag vermutlich fehlen. Vor dem Wochenende lautet die Devise: raus aus dem Risiko. Der durch die Angst vor KI Disruption ausgelöste Ausverkauf in der vergangenen Woche dürfte auch in der neuen, verkürzten Handelswoche die Stimmung der Anleger dämpfen.


KI Angst erzeugt mehr Volatilität

Anleger haben ihr Geld in den vergangenen Wochen aus KI Aktien in Blue Chips und etablierte Unternehmen umgeschichtet, in der Hoffnung, dort eine vergleichsweise sichere Anlage gefunden zu haben. Die Kursverluste bei Logistik  und Finanzaktien in der letzten Woche zeigten jedoch, dass selbst eingesessene Unternehmen im Zweifel nicht vor KI Disruption gefeit sind. Das erhöht die Unsicherheit. Die Volatilität im DAX ist seit Weihnachten um gut die Hälfte angestiegen. Die KI Angst dürfte auch in den kommenden Wochen ein konstanter Wegbegleiter der Anleger bleiben, da die Antworten der von der Disruption betroffenen Unternehmen nicht so schnell gegeben werden können.


Starker Euro belastet den DAX

Der starke Euro ist für Anleger Segen und Fluch zugleich. Einerseits ist er Ausdruck eines wachsenden Interesses internationaler Investoren an Investitionen in europäische Märkte. Andererseits belastet er die Gewinne der Exporteure, was den stark vom Außenhandel abhängigen DAX besonders trifft. Der starke Euro ist auch auf einen schwachen Dollar zurückzuführen, der weiter nachgeben könnte, da die jüngsten Daten Zinssenkungen durch die US Notenbank in einer Phase zulassen, in der fast alle anderen Zentralbanken über stabile Zinsen nachdenken. Zwei US Zinssenkungen in diesem Jahr dürften dabei weitgehend eingepreist sein. Ein neuer Impuls für die Kurse dürfte erst dann kommen, wenn die Erwartungen wieder auf drei oder mehr Zinsschritte steigen. Danach sieht es angesichts der jüngsten gemischten Daten derzeit nicht aus.


Skepsis im DAX überwiegt

Der DAX bleibt trotz dieser Belastungen in Schlagweite zum Rekordhoch, da die Milliardeninvestitionen der Bundesregierung in Infrastruktur und Rüstung sowie die hohen Investitionen der Techkonzerne in Datenzentren und KI gute Geschäfte versprechen. Es fehlt jedoch der zündende Funke, um einen Ausbruch über 25.000 Punkte und neue Rekorde im DAX auszulösen. Dieser Funke fehlt zuletzt schlichtweg.

Freitag, 13.02.2026

DAX im Bann der KI Angst – erneuter Fehlausbruch über 25.000 Punkte

Der DAX hat bewiesen, dass in einem Umfeld latenter KI Angst kein Ausbruch über 25.000 Punkte zu machen ist. Der mittlerweile sechste Fehlausbruch über diese Marke innerhalb von drei Wochen ist bedenklich, zumal er unter erhöhten Handelsumsätzen stattfand. Die Erkenntnis, was KI alles kann, und die daraus entstehende Angst vor den Auswirkungen auf Unternehmen ziehen immer größere Kreise und scheinen vor keinem Segment des Aktienmarktes Halt zu machen. Die Börsen reagieren auf diese Unsicherheit reflexartig mit Kursverlusten.

 

Logistik Aktien unter Druck

Ein kleines Unternehmen mit nicht einmal zwei Millionen US Dollar Jahresumsatz stellte gestern eine KI Anwendung vor, die alteingesessene Unternehmen im Logistiksektor an der Börse gut zehn Milliarden US Dollar an Börsenwert kostete. Niemand kann sagen, wen es als nächsten trifft, da die Vielfalt der KI Anwendungen täglich zunimmt. Das Gefühl, der unberechenbaren KI Disruption schutzlos ausgeliefert zu sein, ist wohl der Hauptgrund für die Zurückhaltung bei Aktien. Die Drohkulisse der KI Angst ist real, wenn man betrachtet, wie stark Software Aktien gefallen sind. Jeder fürchtet inzwischen, dass seine Aktien die nächsten sein könnten, die von Verkäufen getroffen werden.

 

US Inflation könnte höher ausfallen

Es gibt zwei Ursachen für diese Entwicklung. Einerseits den psychologischen Aspekt, da Anleger den Ausfall von Gewinnen fürchten, wenn Kunden zu leistungsstärkeren KI Anwendungen abwandern. Andererseits findet eine Entwöhnung des Marktes von der Politik des billigen Geldes statt. Dieser Aspekt wird heute aufgrund der anstehenden Inflationsdaten noch stärker in den Vordergrund rücken. Nach starken Arbeitsmarktdaten würde ein Inflationsanstieg die Stimmung zusätzlich belasten. Trumps Zölle und der Jahreswechsel, den viele Unternehmen für Preiserhöhungen nutzen, könnten zu einem höheren Inflationsanstieg beitragen und die Zinshoffnungen der Anleger weiter zerstreuen.

Donnerstag, 12.02.2026

DAX verteidigt Vorwochengewinne – Strafrechtliche Ermittlungen gegen Powell

Der Streit des US‑Präsidenten mit Jerome Powell könnte kurzfristig dazu führen, dass der DAX seinen Anstieg nicht mehr so ungebremst fortsetzen kann wie noch in den vergangenen beiden Wochen. Immerhin hält der Index aber seine Vorwochengewinne. Aus technischer Sicht ist das Potenzial bei 25.300 Punkten zunächst bereits fast ausgeschöpft. Gleichzeitig könnte jedoch ausgerechnet der Fed-Streit die Suche der Anleger nach Alternativen zu US‑Aktien anheizen. Das könnte dem DAX zugutekommen.

 

Strafrechtliche Ermittlungen gegen Powel

Strafrechtliche Ermittlungen gegen einen amtierenden Vorsitzenden einer amerikanischen Notenbank sind ein beispielloses Ereignis in der modernen Geschichte der Geldpolitik. Für die Märkte ist klar: Bei den Ermittlungen der US-Staatsanwaltschaft gegen Jerome Powell geht es um weit mehr als nur Renovierungsarbeiten am Hauptsitz der Federal Reserve. Dem amerikanischen Präsidenten scheint jedes Mittel Recht, um seinem Wunsch nach tieferen Leitzinsen Ausdruck zu verleihen. Das lässt wenig Hoffnung zu, dass die bald anstehende Ernennung eines Nachfolgers von Powell viel Besserung bringen wird. Die feine Linie der Unabhängigkeit zwischen Regierung und Notenbank erodiert mit jedem direkten Eingriff Trumps und die Kapitalmärkte scheinen erst langsam zu erkennen, welche Folgen dies langfristig haben könnte.

 

Goldpreis auf neuem Rekordhoch

Eine Folge sind ungebremst steigende Preise für Gold. Für Anleger stellen die Ermittlungen gegen Powell aber lediglich das jüngste Beispiel einer nicht enden wollenden Serie von Ereignissen dar, die für Investitionen in Edelmetalle wie Gold sprechen. Chinas unstillbarer Hunger nach Gold, die sich ausweitenden Proteste im Iran und andauernde geopolitische Spannungen erhöhen die Nachfrage nach Edelmetallen, die als sicherer Hafen in unruhigen Zeiten gelten. Anleger scheinen weiterhin in Aktien investiert bleiben zu wollen – allerdings nicht, ohne sich zuvor durch den Kauf von Gold etwas abzusichern.

Mittwoch, 11.02.2026

DAX in Lauerstellung – Anleger hoffen auf gute US‑Jobdaten

Der DAX setzt sein Ringen um die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten weiter fort. Der Kurs scheint dort zuletzt wie festgefahren. Die Arbeitsmarktdaten aus den USA und die Siemens-Zahlen morgen könnten zu einem Katalysator für die nächste Bewegungsrichtung des Index werden. Anleger hoffen nun auf schwache, aber nicht zu schwache Arbeitsmarktdaten, die die Tür für weitere Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank offenhalten, gleichzeitig jedoch keine echten Wachstumssorgen heraufbeschwören. Der Wille der Anleger zu einem Ausbruch nach oben ist spürbar. Jetzt müssen nur noch die Daten passen.


Anleger fordern Wachstum

Die seit Wochen stattfindende Rotation in zyklische Aktien dürfte automatisch eine wachsende Zahl von Anlegern hervorbringen, die gute Wirtschaftsdaten bevorzugen. Die Zeit, in der sehr schwache Daten gute Daten für den Gesamtmarkt waren, dürfte vorüber sein. Anleger haben ihre Positionen in den wachstumsstärksten Aktien reduziert und setzen zunehmend auf zyklische Werte. Das wird aber nur dann funktionieren, wenn die Konjunktur auch mitspielt. Andernfalls könnten wir schnell das sehen, was bislang vermieden werden konnte: dass die Korrektur bei Momentum-Titeln doch eine Korrektur am Gesamtmarkt auslöst.


Quartalszahlen stehen der Rally nicht im Wege

Die gestern bereits gemeldeten und durchaus aktionärsfreundlichen Quartalszahlen bei der Commerzbank sowie die heute Morgen veröffentlichten Zahlen des DAX‑Highflyers Siemens Energy dürften einer positiven DAX‑Entwicklung nicht im Wege stehen. So richtig neue Dynamik erzeugt die Berichtssaison bislang jedoch nicht – die Bilanzen fallen insgesamt zu gemischt aus. Wichtig werden die Zahlen von Siemens morgen, denn die Aktie führt seit Wochen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit SAP um die Spitze im DAX nach Börsenwert. Eine Bewegung der Siemens‑Aktie um 5 % in die eine oder andere Richtung würde den DAX um etwa 100 Punkte bewegen.

Dienstag, 10.02.2026

DAX vor Bewährungsprobe – Japan stiehlt die Show

Der DAX ist bei 25.000 Punkten angelangt. Damit hat er das technisch mögliche Potenzial der Handelsspanne voll ausgeschöpft, die den Kurs seit drei Wochen einhegt. Ab jetzt hat es der DAX schwer, denn ein Ausbruch über 25.000 Punkte wird nur möglich sein, wenn die hoch gesteckten Erwartungen an das hohe Gewinnwachstum erfüllt werden. Anderenfalls sind die in den letzten Tagen gewonnenen 500 bis 600 Punkte bis zur Unterkante der Handelsspanne schnell wieder verloren.


Japan stiehlt die Show

Japans Aktienrally seit Takaichis Erdrutschsieg stiehlt dem DAX die Show. Die Rally an Japans Börsen besitzt eine gewisse Strahlkraft, die auch auf die Stimmung auf dem Frankfurter Parkett wirken dürfte. Allerdings setzen Anleger nun bei Neukäufen vor allem auf japanische Aktien, da Takaichis Sieg die Wahrscheinlichkeit für eine schnelle Umsetzung einer wirtschaftsfreundlichen Politik deutlich erhöht hat.


Vermutlich schwache Arbeitsmarktdaten voraus

Zur Wochenmitte stehen etwas verspätet gemeldete US-Arbeitsmarktdaten für Januar zur Veröffentlichung an. Anleger machen sich bereit für schwache Daten, nachdem private Schätzungen bereits auf Probleme hindeuten. Der zunehmende Einsatz von KI wird früher oder später Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben, und es ist eine Debatte darum entbrannt, ob wir nun beginnen werden, dies zu sehen. Eine Zunahme der Produktivität hat wohl bereits dazu beigetragen, eine „low hire, low fire“-Ökonomie zu erzeugen, weil Unternehmen mit der gleichen Belegschaft mehr erreichen können. Wir könnten in den nächsten Monaten Zeuge eines Arbeitsmarktes werden, der immer weniger Stellen schafft, ohne dass dies ein dringender Hinweis auf eine Rezession sein muss. Die große Frage ist, ob die zwei Zinssenkungen der US-Notenbank 2026 da noch realistisch sind, mit denen die Anleger fest rechnen.


KI: Anleger setzen auf Unternehmensanleihen

Datenzentren sind teuer, und ihre Finanzierung übersteigt den freien Cashflow großer Tech-Konzerne. Sie müssen daher auf Schulden setzen. Nach Oracle ist nun auch Alphabet die Aufnahme von Fremdkapital gelungen – und zwar mit Bravour: Die Ausgabe von Unternehmensanleihen durch die Google Mutter war um das Fünffache überzeichnet und damit eine der stärksten Auktionen überhaupt. Anleger finden die Anleihen der Hyperscaler attraktiv, da sie davon ausgehen, dass diese selbst dann zurückgezahlt werden, wenn die Unternehmen die benötigte KI Kapazität etwas überschätzen.

Montag, 09.02.2026

DAX schaltet einen Gang runter – doppelter Belastungstest voraus

Dem DAX steht am Nachmittag ein doppelter Belastungstest ins Haus: ein mögliches Urteil des Obersten Gerichts zu den reziproken Zöllen von US-Präsident Trump sowie US-Jobdaten, die eng mit Zinshoffnungen verknüpft sind. Die Rekord-Rally im DAX hat aus Respekt vor diesen Ereignissen an Schwung verloren. Nachdem seit Jahresanfang eilig Positionen aufgebaut wurden, wollen Anleger jetzt zunächst eine klare Bestätigung sehen.

 

Sweet Spot bei den US-Jobdaten

Die Börsen dürften dazu tendieren, zu schwache US-Arbeitsmarktdaten auf Spätfolgen der Haushaltssperre zurückzuführen, während zu starke Daten die Zinshoffnungen dämpfen würden. Der Sweet Spot liegt bei den Stellenschaffungen irgendwo in der Mitte. Die Arbeitsmarktdaten der letzten beiden Tage deuten auf nichts hin, worüber man sich wirklich Sorgen machen müsste. Eine Überraschung ist bei diesen wichtigen Daten aber nie auszuschließen. Schon die erwartbare kurzfristige Volatilität motiviert einige Anleger, zunächst abzuwarten.

 

Politischer Showdown in Washington

Heute könnte es zu einem politischen Showdown in Washington kommen. Das Oberste Gericht könnte um 16 Uhr ein Urteil über Trumps reziproke Zölle verkünden. Hunderte Unternehmen warten gebannt darauf, ob sie noch eine Chance haben, bereits gezahlte Zölle auf dem Rechtsweg zurückzufordern. Für den Aktienmarkt wäre es kurzfristig ein positives Signal, wenn das Gericht die Zölle kippt. Anleger versprechen sich davon höhere Gewinnspannen der Unternehmen und geringere Belastungen für Konsumenten. Mittelfristig dürfte die Unsicherheit bei den Zöllen jedoch wieder zunehmen, weil die US-Regierung versuchen würde, die Zölle auf anderen Wegen erneut zu aktivieren.

 

Sorgenvoller Blick auf den Iran

Die Energiemärkte blicken sorgenvoll auf die Proteste im Iran und darauf, wie die Führung in Teheran damit umgehen wird. Der Iran ist trotz aller Sanktionen ein wichtiger Ölproduzent, und Instabilität dort könnte auch die Ölproduktion im Mittleren Osten gefährden. Selbst wenn der Iran als Exporteur wegfiele, wäre wegen einer weltweiten Ölschwemme kein unmittelbarer Versorgungsengpass zu erwarten. Die Proteste und ihre möglichen Folgen sind aber zu bedeutend, um am Ölmarkt ignoriert zu werden. Der Anstieg des Ölpreises bremst daher die Rally im DAX.

Freitag, 06.02.2026

DAX setzt Pendelbörse fort – Markttechnik bestimmt den Handel

Der DAX könnte nach den Verlusten der letzten Tage zu einer technischen Gegenbewegung ansetzen. Die Untergrenze der Handelsspanne der vergangenen gut drei Wochen ist erreicht. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Käufer zumindest kurzfristig einen Einstieg wagen könnten. Einen klaren Trend bleibt der DAX den Anlegern jedoch weiterhin schuldig. Bis zur oberen Begrenzung der Pendelbörse wären immerhin rund 500 Punkte Platz. Der DAX wird derzeit vor allem von kurzfristig und technisch orientierten Händlern dominiert.

 

Ausbleibende Schockwellen bei Silber

Silber hat es im asiatischen Handel fast zerrissen. Die Unterstützung bei 70 Dollar wurde gebrochen, und Silber sank zeitweise fast bis auf 64 Dollar. Die befürchteten Schockwellen der neuen Silbertiefs bleiben jedoch aus. Stattdessen kehrt die Risikobereitschaft der Anleger zurück, die die tiefen Kurse nutzten, um einzusteigen. Offenbar ging der Ausverkauf vielen Anlegern kurzfristig einfach zu weit. Silber hat sich vom Rekordhoch bis zum Nachttief nahezu halbiert.

 

Hoffnung auf Gold-Umkehr

Alle Augen der Edelmetallhändler richten sich nun auf das Zentralbank-Update aus China am Wochenende. Die Hoffnung ist, dass Chinas Notenbank trotz der Rekordpreise im Januar weiterhin Gold gekauft hat. Das Narrativ, das den Goldpreis über 5.000 Dollar trieb, basiert auch auf einem „Um-die-Wette Bieten“ zwischen Zentralbanken und privaten Anlegern. Ein Rückgang der chinesischen Käufe – gerade jetzt – wäre also ein gewisser Schock.

 

Wichtige Daten voraus

Nachdem Christine Lagarde einer Zinssenkung der EZB eine Absage erteilt hat, verlagert sich die Hoffnung der Anleger auf positivere Signale aus den USA. Nach den Kursverlusten dieser Woche dürfte es bereits genügen, wenn die Inflations- und Arbeitsmarktdaten der kommenden Woche die Tür zu weiteren Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank im Jahr 2026 nicht gänzlich zuschlagen.

Donnerstag, 05.02.2026

DAX ohne Impulse – Angst vor Silber-Schockwelle kehrt zurück

Der DAX bleibt in einer eng abgesteckten Handelsspanne zwischen 24.400 und 25.000 Punkten gefangen. Anleger richten einen bangen Blick auf den anhaltenden Edelmetall-Blues und auf den Ausverkauf bei Software-Aktien, der mittlerweile zum stärksten seit mindestens drei Jahren geworden ist. Sektorrotation und zunehmende Marktbreite sind dabei die Zauberworte, die den Gesamtmarkt trotz dieser Unsicherheiten stabil halten. Anleger schichten ihr Geld zunehmend in zyklische Werte und Value-Aktien um, was ermöglicht, dass der DAX trotz vieler Unsicherheitsfaktoren weiterhin in relativer Schlagweite zu seinem Allzeithoch notiert.

 

Angst vor neuer Schockwelle bei Silber

Silber bricht über Nacht erneut ein. Anleger richten einen bangen Blick auf die Unterstützung bei 70 Dollar und darauf, was ein Unterschreiten dieser Marke für die ohnehin angespannten Nerven der Marktteilnehmer bedeuten würde. Ein Silberpreis in Richtung 60 Dollar oder tiefer könnte die Angst vor Anschlussverkäufen in anderen Anlageklassen sofort wieder ins Bewusstsein der Anleger rufen. Es scheint, als seien die sonst so aktiven chinesischen Käufer vor dem Neujahresfest erpicht darauf, Gewinne mitzunehmen.

 

Software-Sorgen halten an

Software-Aktien erleben an der Wall Street den schärfsten Ausverkauf seit mindestens drei Jahren, und das erzeugt auch Ansteckungseffekte auf das DAX-Schwergewicht SAP und andere internationale Software-Unternehmen, die dabei pauschal mitverkauft werden. Letztendlich werden sich Software-Unternehmen nicht von der Disruption durch fortschrittliche KI-Anwendungen retten können, egal wo sie geographisch ansässig sind. Die Angst vor KI-Disruption ist real, doch die Befürchtungen von Gewinnrückgängen müssen sich erst noch in der Realität bestätigen. Der Ausverkauf trägt langsam, aber sicher Anzeichen einer Übertreibung, was eine zumindest kurzfristige Gegenbewegung im Sektor wahrscheinlicher werden lässt.

 

Berichtssaison bringt keinen Schwung

Der erhoffte Funke aus der laufenden Berichtssaison will nicht so richtig auf den Gesamtmarkt überspringen. Es gab zu viele negative Ausreißer und zu wenig, das die Anleger wirklich begeistern konnte. Das liegt auch daran, dass die Messlatte nach den Kursanstiegen der letzten Monate hoch hängt. Selbst überraschend hohe Investitionspläne Alphabets, die gut um die Hälfte über den Erwartungen liegen und das Narrativ ununterbrochener KI-Expansion stützen, können den Gesamtmarkt nicht in Euphorie versetzen. Die Signale aus der Berichtssaison sind gut, aber den Anlegern offenbar einfach nicht gut genug.

Mittwoch, 04.02.2026

DAX mit Fehlausbruch – Angst um KI-Disruption

Kurzfristig wird KI für den DAX vom Segen zum Fluch. Anleger richten einen bangen Blick auf die runde Marke von 25.000 Punkten, nachdem der Index bei überdurchschnittlichen Handelsumsätzen einen Fehlausbruch aufs Parkett legte. Zwar haben sich in den vergangenen Tagen mehrere fundamentale Rahmenbedingungen verbessert, doch kommen ausgerechnet die Zugpferde im Index nicht so richtig in Fahrt – allen voran SAP, deren Aktie erneut fällt. Der Index hat eine 600 Punkte breite Seitwärtsspanne zwischen 24.400 und 25.000 Punkten etabliert, die sowohl nach unten als auch nach oben begrenzt. Einen Ausbruch bleibt der Index den Anlegern seit gut zwei Wochen schuldig.


Sorgen um Software

Die Sorge, dass die Disruption durch immer besser werdende KI-Anwendungen etablierten Softwarekonzernen die Kundschaft abgraben könnte, versetzt viele Anleger in Habachtstellung. Das belastet die Stimmung im DAX zusätzlich – zumal SAP lange Zeit zu den wichtigsten Zugpferden des Index gehörte. Der Absturz der Aktie hat SAP nach Marktkapitalisierung nun auf den zweiten Platz im DAX verdrängt. Das neue Claude-Cowork-Modell von Anthropic ist ein Frontalangriff auf die Geschäftsmodelle etablierter Softwarekonzerne, die eine Abwanderung von Kunden befürchten müssen. Die Angst vor KI-Disruption versetzt die Aktien von Softwarekonzernen in den freien Fall.


Marktbreite hilft nur schwach

Seit gut drei Monaten entwickelt sich der gleichgewichtete DAX – in dem alle Unternehmen einen gleich großen Anteil statt einer Gewichtung nach ihrem Börsenwert erhalten – besser als der normale DAX. Obwohl also die Gesamtheit der Aktien im DAX steigt, kommt der Index nicht voran. Das ist ein Beleg für die immer noch hohe Abhängigkeit von der Wertentwicklung nur einer Handvoll Aktien. Da die Anstiege dieser wenigen Zugpferde ins Stocken geraten, kommt der Index nur schwer weiter – zumal 25.000 Punkte einen viel beachteten Widerstand darstellen.

Dienstag, 03.02.2026

DAX in Tuchfühlung zu 25.000 Punkten – Edelmetalle stabilisieren sich

Anleger schütteln die Unsicherheit aus dem kurzzeitigen Ausverkauf bei Gold und Silber ab. Der Absturz der Edelmetalle setzt sich nicht fort, und damit wirkt das Risiko von Notverkäufen plötzlich nicht mehr ganz so bedrohlich. Nach einer 700‑Punkte‑Rally steht der DAX wieder in Tuchfühlung mit der runden 25.000‑Punkte‑Marke. Der scharfe Rückgang der Ölpreise wirkt zusätzlich stützend.

 

DAX könnte von Warsh‑Fed profitieren

DAX-Anleger könnten sich auf den zweiten Blick vielleicht doch mit einer von Kevin Warsh geführten US-Notenbank anfreunden. Eine kleinere Fed‑Bilanz unter Warsh würde die Märkte zwingen, bei Aktien wieder stärker auf Qualität, Cashflows und solide Kapitalstrukturen zu achten, anstatt blindem Wachstumsoptimismus zu folgen. Genau darauf setzen die Schnäppchenjäger: dass der DAX und vor allem klassische Value‑Aktien von diesem grundlegenden Umdenken profitieren. Noch ist Warsh nur nominiert und nicht Notenbankchef. Allerdings blicken die Märkte bereits drei bis sechs Monate in die Zukunft – und Anleger sind gezwungen, sich darauf einzustellen.

 

Positive Signale aus Frankreich

Nach zwei gescheiterten Misstrauensvoten und der Verabschiedung des Haushalts 2026 ist Frankreich kurzfristig politisch stabilisiert. Dadurch sinkt das Risiko französischer Staatsanleihen, der Spread zu deutschen Bundesanleihen normalisiert sich – und das stärkt die Risikobereitschaft der Anleger, die sich wieder verstärkt in Euro‑Aktien engagieren. Die Verabschiedung des Haushalts für 2026 senkt zudem das wahrgenommene Risiko im Euroraum insgesamt und wirkt wie zusätzlicher Rückenwind für Euro‑Aktien.