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Das aktuelle Marktgeschehen im Blick
Dienstag, 09.06.2026
von Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank
DAX – Mehr als eine Stabilisierung ist es nicht
Die erwartete Zinsanhebung der EZB am Donnerstag wirft im DAX bereits ihren Schatten voraus. Der DAX notiert nun deutlich unter 25.000 Punkten. Kurzfristig mag eine vorläufige Entspannung im Nahostkonflikt dem Index helfen. Mittelfristig fehlt dem Index angesichts hoher Ölpreise und steigender Renditen die Kraft, weiter anzusteigen. Trotz eines gewissen Gewöhnungseffekts gegenüber der unklaren Lage im Nahen Osten bleibt es im DAX bei einer trendlosen Phase.
KI-Rally setzt sich fort
Typisch für einen Bullenmarkt sind schnelle, scharfe Kurseinbrüche, wie wir sie im Nasdaq-100-Index am Freitag gesehen haben. Korrekturen innerhalb intakter Bullenmärkte zählen zu den kräftigsten Kursrückgängen in der Börsengeschichte. Der Unterschied zu einem Bärenmarkt besteht darin, dass sich die Aufwärtsbewegung nach einem solchen bereinigenden Gewitter fortsetzt. Darauf setzen die Buy-the-Dip-Anleger, die nun wieder in die Aktien eingestiegen sind.
SpaceX geht an die Börse
Der Hype um den Börsengang von SpaceX hält das Interesse der Anleger auf einem hohen Niveau. Das Aktienangebot aus Alphabets Kapitalerhöhung, Gerüchte über eine Kapitalerhöhung bei Meta sowie der Börsengang von SpaceX werden die Nachfrage der Investoren nach KI-Aktien jedoch auf die Probe stellen. Es bleibt zu beobachten, ob durch das enorme zusätzliche Aktienangebot eine Sättigung der Nachfrage eintreten wird. Die Unsicherheit darüber sorgt bereits für einen Anstieg der Volatilität, die uns vermutlich noch weiter begleiten wird.
Jochen Stanzl ist Chefmarktanalyst der Consorsbank.
Zuvor war er zehn Jahre lang bei einem Broker in Frankfurt tätig und ist Mitgründer der stock3 AG, deren Aufsichtsratsmitglied er bis heute ist. Für die Kunden der Consorsbank teilt er seit November 2025 seine Börsenerfahrung von fast einem Viertel Jahrhundert.
Rechtliche Hinweise
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Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft ist mehr als ein sportliches Großereignis. Mit 48 teilnehmenden Nationen, 104 Spielen und 16 Austragungsorten in den USA sowie in Kanada und Mexiko wird die Fußball-WM 2026 zur größten in der Geschichte des Turniers. Ökonomen schätzen, dass das Turnier über 40 Milliarden US-Dollar¹ zum globalen Bruttoinlandsprodukt beitragen könnte – eine Zahl, die das Ereignis zum wirtschaftlichen Spektakel schlechthin macht.
Milliarden für die FIFA – und die Sponsoren
Die FIFA rechnet mit Einnahmen von über 9 Milliarden US-Dollar – zum Vergleich:
Bei der WM in Katar vor vier Jahren waren es 7,5 Milliarden. Rund die Hälfte davon stammt aus Medien- und TV-Rechten. Hinzu kommen Einnahmen durch Sponsoring, Ticketverkäufe und Merchandising.
Wer sind die Profiteure? Zunächst die offiziellen Hauptsponsoren. Darunter finden sich Marken wie Adidas, Coca-Cola, Visa und Aramco – Unternehmen, die auf der höchsten Partnerebene der FIFA vertreten sind und während des Turniers maximale mediale Sichtbarkeit genießen.
Sportartikelhersteller im Fokus
Besonders die Sportartikelbranche blickt gespannt auf den Sommer. Adidas-Chef Björn Gulden erwartet „hohe Visibilität“ beim Turnier: 14 Nationalmannschaften spielen in Adidas-Trikots, etwa ein Drittel aller Spieler trägt Adidas-Produkte, und der offizielle Spielball stammt ebenfalls aus Herzogenaurach.
Auch der US-Konkurrent Nike ist präsent – und kämpft gleichzeitig mit einem laufenden Konzernumbau. Pikant dabei: Ausgerechnet zur WM-Zeit rücken neue Vertragsverschiebungen ins Blickfeld. Ab 2027 wird Nike offizieller Ausrüster der deutschen Fußball-Nationalmannschaft – ein Prestigevertrag, den die Amerikaner Adidas weggeschnappt haben. Im Popkulturbereich zeichnet sich ebenfalls ein Wechsel ab: Schauspieler Timothée Chalamet, der 2023 noch gemeinsam mit Nike fünf exklusive Schuhmodelle entwarf, hat offenbar die Seiten gewechselt – kein vielversprechendes Zeichen für den amerikanischen Sportriesen.
Historisch kein Selbstläufer
Doch Vorsicht: Mediale Präsenz bedeutet nicht automatisch steigende Aktienkurse. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Bei neun von 13 Weltmeisterschaften sind die Aktienmärkte während des Turniers gefallen. Nicht während der fünf Wochen des Turniers selbst, sondern als Nachwirkung: Trikotverkäufe, Merchandising und Markenbindung entscheiden über den wirtschaftlichen Erfolg.
Ticketpreise dämpfen Begeisterung
Ein Wermutstropfen: Die hohen Eintrittspreise sorgen für Kritik. Auf einer offiziellen FIFA-Wiederverkaufsplattform wurden zuletzt vier Tickets für das WM-Finale für je fast 2,3 Millionen US-Dollar angeboten. Uli Hoeneß, der Ehrenpräsident vom FC Bayern München, brachte es auf den Punkt: „Das WM-Endspiel darf nicht wie der Super Bowl werden.“ Auch US-Präsident Donald Trump zeigte sich überrascht, dass Fans für das erste US-Spiel über 1.000 US-Dollar pro Ticket zahlen müssen.
Fazit
Die WM 2026 ist ein wirtschaftliches Megaevent mit Strahlkraft für viele Branchen – von Sportartikelherstellern über Getränkeproduzenten bis hin zu Anbietern von Finanzdienstleistungen. Ob und wie stark einzelne Unternehmen profitieren, wird sich erst langfristig zeigen. Für Anleger könnte sich dennoch ein genauer Blick auf Unternehmen und Branchen rund um das Turnier lohnen. Eines ist jedenfalls sicher: Die Welt schaut hin.
Alle Aktien der namhaften Sportartikelhersteller und Unternehmen deren Kurse durch die WM-Fußballmeisterschaft beeinflusst werden können, handeln Sie jederzeit über 34 Handelsplätze weltweit bei uns.
¹ Quelle: Studie vom Forschungsinstitut Open-Economics.
Die Straße von Hormus ist eine schmale Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Rest der Welt. Was weit weg klingt, hat direkte Folgen für unseren Alltag. Denn durch diese Passage wird rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Gases transportiert. Wird sie blockiert oder unsicher, spürt das die ganze Welt sofort.
Seit dem Krieg zwischen den USA und dem Iran steht die Straße von Hormus im Zentrum der Aufmerksamkeit. Tanker fahren nur zögerlich oder gar nicht. Versicherungen sind teuer, Crews fühlen sich unsicher. Die Folge: Weniger Öl, Gas, Helium und Düngemittel erreichen den Weltmarkt. Und wenn das Angebot knapper wird, steigen die Preise.
Hohe Energiepreise treffen zuerst die Menschen an den Tankstellen. Öl und Gas werden aber auch für Transport, Strom und Produktion gebraucht. Steigen die Kosten etwa für Diesel, verteuert das auch die Preise für den Transport von Lebensmitteln in die Supermärkte. Beides – hohe Tankstellenpreise und steigende Lebenshaltungskosten – belastet die Wirtschaft. Für Länder wie Deutschland, die viel Energie importieren, ist das besonders problematisch
An den Börsen zeigt sich das sofort. Steigende Ölpreise schüren die Angst vor Inflation. Zentralbanken könnten gezwungen sein, Zinsen länger hochzuhalten oder sogar zu erhöhen. Kredite werden teurer, Investitionen schwieriger. Deshalb reagieren Aktienmärkte empfindlich auf jede Nachricht rund um Hormus.
Zwar hoffen viele Anleger auf eine diplomatische Lösung. Waffenruhen und Gespräche sorgen immer wieder für Erleichterung. Doch solange unklar ist, ob und wie sicher die Meerenge dauerhaft geöffnet bleibt, bleibt auch das Risiko hoch. Selbst eine schnelle Entspannung würde die Lage nicht sofort normalisieren. Im Persischen Golf stecken hunderte Schiffe fest. Lieferketten brauchen Zeit, um wieder reibungslos zu laufen.
Die Straße von Hormus ist deshalb mehr als ein regionales Nadelöhr. Sie ist ein Hebel für Energiepreise, Inflation und Wachstum weltweit. Ob beim Tanken, bei der Heizrechnung oder an der Börse: Was dort passiert, betrifft uns alle.
Die Anleger glauben dennoch an einen diplomatischen Ausgang des Irankriegs und blicken über die Wachstumsdelle hinweg, die von hohen Energiepreisen und Unterbrechungen von Lieferketten verursacht wurde.
Weltweit breit aufgestellte Indizes wie der MSCI World Index oder der FTSE All World Index sind auf neue Rekordstände gestiegen. Für langfristig orientierte Anleger mit Sparplan zeigt sich einmal mehr: Kurzfristige Krisen beeinflussen die Märkte, verändern aber selten den langfristigen Trend.