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Das aktuelle Marktgeschehen im Blick
Mittwoch, 13.05.2026
von Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank
DAX: Zinsangst belastet die Kurse – US-Bonds reißen Rendite-Schallmauer
Das Zinsgespenst ist zurück. Nachdem sich deutsche Anleger bereits mit der Perspektive steigender Zinsen auseinandersetzen mussten, scheint das Thema nun auch in den USA an Fahrt aufzunehmen. Die Rendite-Schallmauer von 4 % bei zehnjährigen US‑Staatsanleihen sowie von 5 % bei dreißigjährigen Staatsanleihen ist durchbrochen. Das belastet Aktien, auch wenn Schnäppchenjäger gestern größere Verluste verhindert haben mögen. An einer Tatsache ändert diese Gegenbewegung jedoch nichts: Die hohe Inflation erhöht die Gefahr einer Zinswende durch die amerikanische Notenbank.
Zinsangst gefährdet laufende KI-Rally
Höhere Renditen an den Anleihemärkten streuen ausgerechnet dem Sektor Sand ins Getriebe, der die tragende Säule hinter der Kurserholung der letzten Wochen bildet: KI. Die zunehmend fremdkapitalfinanzierten Investitionen in diesem Bereich sind anfällig für einen zu dynamischen Renditeanstieg. Mit steigenden Renditen wird zudem die Frage immer heikler, wie lange Anleger die Auswirkungen des Irankriegs noch ignorieren wollen und können.
Trump-Besuch im Blick
Der Besuch von US-Präsident Trump in China dürfte das meistbeachtete Ereignis des heutigen Tages sein. Vordergründig geht es um den Handel: Trump reist mit dem Who’s Who der amerikanischen Wirtschaft nach Peking. Dennoch wird der Irankrieg den Besuch überschatten. Trumps innenpolitischer Druck, den Krieg zu beenden, ist durch die hohen Inflationsdaten von gestern noch einmal gewachsen. Ob er die Antworten darauf allerdings in Peking finden wird, ist fraglich.
Jochen Stanzl ist Chefmarktanalyst der Consorsbank.
Zuvor war er zehn Jahre lang bei einem Broker in Frankfurt tätig und ist Mitgründer der stock3 AG, deren Aufsichtsratsmitglied er bis heute ist. Für die Kunden der Consorsbank teilt er seit November 2025 seine Börsenerfahrung von fast einem Viertel Jahrhundert.
Rechtliche Hinweise
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Anbieter:
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Telefon: +49 (0) 911 / 369 – 0, Fax: +49 (0) 911 / 369 – 10 00, E-Mail: info@consorsbank.de
Sitz: Nürnberg HRB Nürnberg 31129 USt-IdNr. DE191528929 BIC: CSDBDE71 | BLZ: 760 300 80
Die Straße von Hormus ist eine schmale Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Rest der Welt. Was weit weg klingt, hat direkte Folgen für unseren Alltag. Denn durch diese Passage wird rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Gases transportiert. Wird sie blockiert oder unsicher, spürt das die ganze Welt sofort.
Seit dem Krieg zwischen den USA und dem Iran steht die Straße von Hormus im Zentrum der Aufmerksamkeit. Tanker fahren nur zögerlich oder gar nicht. Versicherungen sind teuer, Crews fühlen sich unsicher. Die Folge: Weniger Öl, Gas, Helium und Düngemittel erreichen den Weltmarkt. Und wenn das Angebot knapper wird, steigen die Preise.
Hohe Energiepreise treffen zuerst die Menschen an den Tankstellen. Öl und Gas werden aber auch für Transport, Strom und Produktion gebraucht. Steigen die Kosten etwa für Diesel, verteuert das auch die Preise für den Transport von Lebensmitteln in die Supermärkte. Beides – hohe Tankstellenpreise und steigende Lebenshaltungskosten – belastet die Wirtschaft. Für Länder wie Deutschland, die viel Energie importieren, ist das besonders problematisch
An den Börsen zeigt sich das sofort. Steigende Ölpreise schüren die Angst vor Inflation. Zentralbanken könnten gezwungen sein, Zinsen länger hochzuhalten oder sogar zu erhöhen. Kredite werden teurer, Investitionen schwieriger. Deshalb reagieren Aktienmärkte empfindlich auf jede Nachricht rund um Hormus.
Zwar hoffen viele Anleger auf eine diplomatische Lösung. Waffenruhen und Gespräche sorgen immer wieder für Erleichterung. Doch solange unklar ist, ob und wie sicher die Meerenge dauerhaft geöffnet bleibt, bleibt auch das Risiko hoch. Selbst eine schnelle Entspannung würde die Lage nicht sofort normalisieren. Im Persischen Golf stecken hunderte Schiffe fest. Lieferketten brauchen Zeit, um wieder reibungslos zu laufen.
Die Straße von Hormus ist deshalb mehr als ein regionales Nadelöhr. Sie ist ein Hebel für Energiepreise, Inflation und Wachstum weltweit. Ob beim Tanken, bei der Heizrechnung oder an der Börse: Was dort passiert, betrifft uns alle.
Die Anleger glauben dennoch an einen diplomatischen Ausgang des Irankriegs und blicken über die Wachstumsdelle hinweg, die von hohen Energiepreisen und Unterbrechungen von Lieferketten verursacht wurde.
Weltweit breit aufgestellte Indizes wie der MSCI World Index oder der FTSE All World Index sind auf neue Rekordstände gestiegen. Für langfristig orientierte Anleger mit Sparplan zeigt sich einmal mehr: Kurzfristige Krisen beeinflussen die Märkte, verändern aber selten den langfristigen Trend.